Ratgeber · Kosten je Leistung · Stand 25.10.2026

Krankengymnastik Kosten 2026: Zuzahlung oder Selbstzahler?

Mit Kassenrezept zahlen Erwachsene für Krankengymnastik 10 Prozent der Behandlungskosten plus 10 Euro je Verordnung. Bei sechs Behandlungen sind das 2026 rund 27,76 Euro. Ohne Rezept zahlen Sie den Preis der Praxis in voller Höhe, für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren entfällt die Zuzahlung.

Was kostet Krankengymnastik auf Kassenrezept?

Die gesetzliche Krankenkasse vergütet eine Einzelbehandlung Krankengymnastik (KG) bundesweit einheitlich mit 29,63 Euro. Diese Zahl stammt aus der Vergütungsvereinbarung nach § 125 SGB V und gilt für Behandlungen ab dem 1. Januar 2026. Die Regelbehandlungszeit beträgt 15 bis 25 Minuten.

Als Patientin oder Patient ab 18 Jahren zahlen Sie nach § 61 SGB V zehn Prozent der Kosten, also 2,96 Euro je Behandlung, und zusätzlich 10 Euro je Verordnung. Die 10 Euro fallen einmal pro Rezept an, nicht je Termin. Die Praxis zieht den Betrag ein und stellt eine Quittung aus. Den Kassenanteil rechnet die Praxis direkt mit Ihrer Krankenkasse ab, Sie erhalten dafür keine Rechnung.

Wie viele Behandlungen auf einem Rezept stehen, bestimmt die Ärztin oder der Arzt nach der Heilmittel-Richtlinie. Die Höchstmenge je Verordnung richtet sich nach dem Heilmittelkatalog, bei Folgeverordnungen können weitere Behandlungen hinzukommen. Je mehr Behandlungen verordnet sind, desto stärker verteilt sich die Pauschale von 10 Euro.

Eigenanteil nach Anzahl der Behandlungen

Die Tabelle zeigt, was Erwachsene bei reiner Krankengymnastik auf einem Rezept selbst tragen. Grundlage ist die Zuzahlung je Behandlung aus der Vergütungsliste (2,96 Euro) plus 10 Euro je Verordnung.

Anzahl BehandlungenGesamtpreis laut KassenlisteIhre ZuzahlungZahlung der Kasse
6177,78 Euro27,76 Euro150,02 Euro
10296,30 Euro39,60 Euro256,70 Euro
12355,56 Euro45,52 Euro310,04 Euro
18533,34 Euro63,28 Euro470,06 Euro

Rechnet die Praxis mit 10 Prozent der Gesamtsumme statt mit dem gerundeten Betrag je Behandlung, kann das Ergebnis um wenige Cent abweichen. Wichtig ist, dass Sie nie mehr als diese Beträge zahlen müssen. Zusätzlich gilt die jährliche Belastungsgrenze: Alle Zuzahlungen eines Kalenderjahres sind auf 2 Prozent der Bruttoeinnahmen begrenzt, bei chronisch Kranken auf 1 Prozent (§ 62 SGB V).

Was kostet Krankengymnastik als Selbstzahler?

Ohne Rezept gelten die Kassenpreise nicht. Die Praxis legt ihren Preis selbst fest und schließt mit Ihnen einen Behandlungsvertrag. Eine amtliche Gebührenordnung gibt es für Selbstzahler nicht, das PKV-Serviceportal bestätigt das ausdrücklich für Heilmittel. Die Preise unterscheiden sich daher von Praxis zu Praxis und nach Behandlungsdauer.

Als Maßstab hilft ein Vergleich mit den Sätzen, die Beihilfestellen anerkennen. Der Bund erkennt für Beihilfeberechtigte eine ärztlich verordnete Einzelbehandlung Krankengymnastik bis höchstens 29,70 Euro an. Verlangt Ihre Praxis mehr, müssen Sie die Differenz in der Regel selbst tragen, sofern Ihr Tarif sie nicht übernimmt.

Beispiel (Annahme: 50 Euro je Behandlung, frei gewählt): Sechs Behandlungen kosten Selbstzahler 300 Euro. Mit Kassenrezept lägen Ihre Kosten bei 27,76 Euro. Der Unterschied beträgt 272,24 Euro. Ob 50 Euro in Ihrer Region üblich sind, lässt sich nicht pauschal sagen. Fragen Sie vorab nach der Preisliste der Praxis.

Selbstzahlen lohnt sich nur, wenn Ihnen keine Verordnung zusteht oder wenn Sie eine Leistung außerhalb des Kassenkatalogs wünschen. Wenn Beschwerden bestehen, klärt zuerst eine Ärztin oder ein Arzt, ob Krankengymnastik angezeigt ist und verordnet werden kann.

Privat versichert: Rechnung zuerst, Erstattung danach

Privatversicherte erhalten die Rechnung der Praxis und reichen sie bei Versicherung oder Beihilfe ein. Was erstattet wird, regelt Ihr Tarif. Viele Tarife verlangen eine ärztliche Verordnung, manche begrenzen den Erstattungssatz auf Höchstbeträge. Das PKV-Serviceportal weist darauf hin, dass es für die Abrechnung bei Privatversicherten kein allgemeingültiges Gebührenverzeichnis gibt.

  • Holen Sie sich die Verordnung vor Behandlungsbeginn, nicht nachträglich.
  • Fragen Sie Ihre Versicherung vorab, bis zu welchem Betrag Krankengymnastik erstattet wird.
  • Heben Sie Rechnung und Verordnung zusammen auf, beide werden bei der Einreichung gebraucht.
  • Prüfen Sie, ob der Selbstbehalt Ihres Tarifs schon ausgeschöpft ist.

Bei Beihilfeberechtigten des Bundes gelten die Höchstbeträge der Anlage 9 der Bundesbeihilfeverordnung. Die Beihilfe der Länder regelt die Höchstbeträge eigenständig, sie können abweichen.

Krankengymnastik in der Gruppe, am Gerät und für Kinder

Krankengymnastik gibt es in mehreren Formen, die jeweils eigene Preise haben. Das beeinflusst Ihre Zuzahlung.

FormVergütung der KasseZuzahlung je Behandlung
KG-Einzelbehandlung29,63 Euro2,96 Euro
KG in der Gruppe (2 bis 5 Personen)13,26 Euro1,33 Euro
Gerätegestützte KG (60 Minuten, bis 3 Patienten parallel)55,81 Euro5,58 Euro
KG im Bewegungsbad, Einzel33,87 Euro3,39 Euro
KG-ZNS für Erwachsene (Bobath, Vojta, PNF)47,06 Euro4,71 Euro
KG-ZNS für Kinder bis 18 Jahre (Bobath, Vojta)58,83 Eurokeine

Welche Form für Sie verordnet wird, entscheidet die Ärztin oder der Arzt nach Ihrer Diagnose. Die Praxis darf nur das abgeben, was auf dem Rezept steht. Möchten Sie eine andere Form, etwa Einzel statt Gruppe, müssen Sie das vorab mit der Ärztin oder dem Arzt klären.

Zuzahlung sparen: Befreiung und Steuer

Wer im Laufe des Jahres viele Zuzahlungen leistet, kann die Belastungsgrenze erreichen. Sie liegt bei 2 Prozent der jährlichen Bruttoeinnahmen zum Lebensunterhalt, für chronisch Kranke bei 1 Prozent. Ist die Grenze erreicht, stellt die Krankenkasse eine Befreiung für den Rest des Kalenderjahres aus. Sammeln Sie dafür die Quittungen aller Zuzahlungen, auch die aus der Apotheke.

Selbst getragene Krankheitskosten können außerdem als außergewöhnliche Belastung in der Steuererklärung geltend gemacht werden, soweit sie die zumutbare Belastung übersteigen. Als Nachweis der Zwangsläufigkeit verlangt § 64 EStDV für Heilmittel eine Verordnung der Ärztin oder des Arztes. Lassen Sie sie vorsorglich vor Behandlungsbeginn ausstellen. Das ist keine Steuerberatung. Ob sich der Abzug bei Ihnen lohnt, klärt eine Steuerberatung oder ein Lohnsteuerhilfeverein.

Hinweise für Praxen und Berufseinsteiger

Für Praxen ist die Zuzahlung ein durchlaufender Posten. Sie wird eingezogen, quittiert und mit dem Kassenanteil verrechnet. Fehlt die Zuzahlung oder wurde sie falsch berechnet, kann die Abrechnung beanstandet werden. Aktuelle Positionsnummern, gültige Verordnungen und die Bestätigung jeder Behandlung auf dem Verordnungsblatt sind die Basis einer sauberen Abrechnung.

Wer in der Selbstzahlerberatung arbeitet, sollte Preise vorab nennen und schriftlich festhalten. Das schafft Vertrauen und verhindert Streit über Rechnungen. Preislisten sollten klar nach Behandlungsdauer und Leistung gegliedert sein. Wer Berufseinsteigern die Kostenstruktur erklärt, macht auch deutlich, warum Kassenpreis und Praxispreis nicht übereinstimmen.

Häufige Fragen

Was kostet eine Krankengymnastik-Behandlung mit Rezept?

Die Kasse vergütet 29,63 Euro je Einzelbehandlung. Erwachsene zahlen davon 10 Prozent (2,96 Euro) und zusätzlich 10 Euro je Verordnung. Bei sechs Behandlungen sind das rund 27,76 Euro.

Wie viel zahle ich für Krankengymnastik ohne Rezept?

Ohne Rezept zahlen Sie den Preis, den die Praxis festlegt, in voller Höhe. Eine amtliche Gebührenordnung für Selbstzahler gibt es nicht. Lassen Sie sich den Preis vor der ersten Behandlung nennen.

Zahlen Kinder Zuzahlung bei Krankengymnastik?

Nein. Versicherte unter 18 Jahren sind nach § 32 SGB V von der Zuzahlung zu Heilmitteln befreit. Die Kasse trägt den vollen Preis der verordneten Behandlung.

Wann bin ich von der Zuzahlung befreit?

Sobald Ihre Zuzahlungen im Kalenderjahr 2 Prozent der Bruttoeinnahmen erreichen, bei chronisch Kranken 1 Prozent. Dann stellt die Krankenkasse eine Befreiung aus. Reichen Sie dafür die Quittungen ein.

Übernimmt die private Krankenversicherung Krankengymnastik?

Das hängt vom Tarif ab. Viele Tarife erstatten Krankengymnastik mit ärztlicher Verordnung bis zu bestimmten Höchstbeträgen. Fragen Sie vor der Behandlung bei Ihrer Versicherung nach.

Kann ich Krankengymnastik von der Steuer absetzen?

Selbst getragene Kosten können unter Umständen als außergewöhnliche Belastung geltend gemacht werden, wenn eine ärztliche Verordnung als Nachweis vorliegt. Eine Steuerberatung klärt, ob sich der Abzug für Sie lohnt.

Quellen

Zuletzt geprüft am 25.10.2026. Rechtliche und finanzielle Angaben können sich ändern.