Ratgeber · Beschwerden und Körperregionen · Stand 25.10.2026

Tennisarm und Golferarm: Dauer, Behandlungsoptionen und Physiotherapie auf Rezept

Rund 80 Prozent der Menschen mit Tennisarm sind innerhalb eines Jahres schmerzfrei, die Beschwerden halten aber oft einige Monate an. Am besten untersucht ist exzentrisches Krafttraining, das das IQWiG etwa 3-mal täglich über 1 bis 3 Monate empfiehlt. Auf Rezept sind in der Diagnosegruppe EX bis zu 6 Behandlungen je Verordnung möglich, die orientierende Menge beträgt 18 Einheiten.

Was ist ein Tennisarm, was ein Golferarm?

Beim Tennisarm (Epicondylitis lateralis) schmerzt die Außenseite des Ellenbogens, beim Golferarm (Epicondylitis medialis) die Innenseite. Ursache sind meist einseitige oder starke Belastungen der Sehnenansätze. Sport ist ein Auslöser, bei den meisten Betroffenen spielen aber andere Tätigkeiten eine Rolle, etwa Handwerk, Heben, Musizieren, Computerarbeit oder Kochen.

  • Die Schmerzen treten oft bei Bewegung oder Berührung auf und können in Ober- und Unterarm ausstrahlen.
  • Manchmal stören sie nachts den Schlaf.
  • Etwa 2 Prozent der Bevölkerung haben einen Tennisarm, weniger als 1 Prozent einen Golferarm.
  • Meist sind Menschen zwischen 40 und 60 Jahren betroffen, Frauen und Männer etwa gleich häufig.

Die Diagnose stellt die Ärztin oder der Arzt meist durch die körperliche Untersuchung. Bildgebung ist nur bei Verdacht auf eine andere Erkrankung oder Verletzung sinnvoll.

Wie lange dauert ein Tennisarm?

Die Beschwerden können nach wenigen Wochen verschwinden, dauern aber oft einige Monate. Laut IQWiG (Stand Oktober 2025) sind rund 80 Prozent der Betroffenen innerhalb eines Jahres schmerzfrei. Die Beschwerden verschwinden oft auch ohne größere Behandlung nach einigen Monaten. Das gilt als Richtwert und nicht als Zusage.

Die Therapieempfehlungen des IQWiG gelten für Tennisarm und Golferarm gemeinsam, die Studienlage betrifft überwiegend den Tennisarm.

Ärztlich abklären sollten Sie Ihren Arm, wenn Schmerzen nach einem Sturz oder Unfall auftreten, der Arm deutlich anschwillt oder sich rötet, Taubheit oder Kribbeln in Fingern und Hand dazukommen oder die Beschwerden trotz Entlastung über Monate nicht nachlassen.

Behandlungsoptionen im Überblick

Die Evidenz zu den einzelnen Verfahren ist laut IQWiG sehr unterschiedlich:

BehandlungEinschätzung laut IQWiGAuf Rezept
Belastung reduzierenEinige Tage bis Wochen schmerzauslösende Belastungen meidennicht nötig
Exzentrisches Kräftigen und DehnenAm besten untersucht, empfohlen etwa 3-mal täglich über 1 bis 3 Monate, wer konsequent übt, wird schneller schmerzfreiAnleitung als Krankengymnastik oder Übungsbehandlung
Manuelle TherapieKann ergänzend helfenja, als Heilmittel
Schmerzmittel (NSAR als Gel oder Tablette)Lindern wahrscheinlich etwas, besonders zu Beginn, nicht für lange Einnahmeärztlich
UltraschalltherapieWenige Studien, geringe schmerzlindernde Wirkung, setzt nach etwa 5 bis 10 Wochen einKassenleistung unklar, bitte vorab erfragen
KortisonspritzenLindern kurzfristig, können die Heilung hemmen, nach mehreren frühen Spritzen nach einigen Monaten mehr Schmerzenärztlich
Stoßwelle, Laser, TENSIn guten Studien ohne lindernde Wirkung nachgewiesenStoßwelle und Laser sind im Heilmittelkatalog nicht enthalten, Elektrotherapie nur als ergänzendes Heilmittel
Eigenblut, Botox, Akupunktur, Massage, KälteEigenblut vermutlich ohne Nutzen, bei den anderen Nutzen unklar oder nicht beurteilbarMassage und Kältetherapie sind Heilmittel, Eigenblut, Botox und Akupunktur nicht
OperationErst nach vielen Monaten bis Jahren, Nutzen kaum untersuchtärztlich

Ob Schienen oder Bandagen helfen, ist unklar. Viele Verfahren außerhalb der Kassenleistung werden selbst bezahlt, ohne dass ihr Nutzen belegt wäre.

Wie eine Physiotherapie bei Tennisarm aussieht

Am Anfang steht der Befund: Wo sitzt der Schmerz, welche Bewegungen lösen ihn aus, welche Tätigkeiten belasten Sie? Daraus entsteht ein Plan mit drei Bausteinen:

  • Belastungssteuerung: Welche Tätigkeiten ändern Sie, etwa Griffhaltung, Werkzeug oder Mausposition?
  • Aktives Training: exzentrische Kräftigung der Handgelenkstrecker beim Tennisarm, beziehungsweise der Beuger beim Golferarm, dazu Dehnung. Die Übungen führen Sie später selbstständig zu Hause durch.
  • Ergänzende Techniken: manuelle Therapie, wenn sie Ihnen hilft, in das Training zu kommen.

Im Alltag helfen oft kleine Anpassungen: Lasten näher am Körper tragen, Werkzeuge mit dickerem Griff nutzen, wiederholte Greif- und Drehbewegungen unterbrechen und Pausen einplanen. Ob eine Schiene oder Bandage nützt, ist laut IQWiG unklar. Fragen Sie die Therapeutin oder den Therapeuten, was in Ihrem Beruf oder Hobby umsetzbar ist.

Verbessern sich die Beschwerden nach mehreren Wochen konsequenter Therapie nicht, wird die Behandlung angepasst. Das spricht die Praxis mit der verordnenden Ärztin oder dem verordnenden Arzt ab.

Training in Phasen: So steigern Sie die Belastung

Nach dem ersten Auftreten sollten Sie den Arm laut IQWiG einige Tage bis Wochen möglichst wenig belasten und schmerzauslösende Kraftübungen für einige Wochen meiden. Erst wenn die Schmerzen deutlich abgeklungen sind, steigern Sie die Belastung langsam und beginnen mit täglichen Kräftigungsübungen.

  1. Entlastung: Schmerzauslösende Tätigkeiten reduzieren, Arm weiter im Alltag nutzen.
  2. Einstieg: Sobald die Schmerzen es zulassen, vorsichtig mit exzentrischen Übungen beginnen. Dabei wird die Unterarmmuskulatur gleichzeitig gedehnt und gestärkt.
  3. Aufbau: Die Übungen laufen nach bisherigen Studien etwa 3 Mal täglich über 1 bis 3 Monate. Wer den Arm überlastet, kann die Beschwerden verstärken.
  4. Alltag: Belastung langsam zurück auf das Niveau von Beruf und Hobby führen.

Welche Übungen am wirksamsten sind, ist nach dem IQWiG noch nicht ausreichend erforscht. Die Wirksamkeit von Dehnübungen allein ist unklar. Lassen Sie sich die Ausführung zeigen, bevor Sie zu Hause üben.

Risiken von Spritzen und Stoßwelle

Manche Verfahren bergen eigene Nebenwirkungen. Das IQWiG nennt bei häufigen Kortisonspritzen Gewebeschwund und eine dauerhafte Delle am Ellenbogen. Botox kann für einige Wochen Lähmungserscheinungen in den Fingern verursachen. Die Stoßwellentherapie kann Hautrötungen, Schmerzen, Blutergüsse und Übelkeit auslösen, ohne dass in guten Studien eine lindernde Wirkung nachgewiesen wurde. Mit jeder Spritze besteht ein geringes Risiko für Entzündungen oder Verletzungen. Medikamente wie Ibuprofen oder Diclofenac sind nicht für eine längere Einnahme geeignet, unter anderem wegen möglicher Magenprobleme, und beschleunigen die Heilung nicht.

Rezept, Menge und Zuzahlung

Sehnenansatzerkrankungen wie der Tennisarm werden im Heilmittelkatalog des G-BA in der Regel der Diagnosegruppe EX zugeordnet. Genannt sind dort unter anderem Periarthropathien und Tendopathien.

  • Höchstmenge je Verordnung: bis zu 6 Behandlungen
  • Orientierende Behandlungsmenge: bis zu 18 Einheiten (bis zum 18. Lebensjahr bis zu 50)
  • Frequenzempfehlung: 1 bis 3 Mal wöchentlich
  • Vorrangige Heilmittel: unter anderem Krankengymnastik, Manuelle Therapie, Übungsbehandlung und Massagetherapien
  • Beginn: innerhalb von 28 Kalendertagen nach Ausstellung

Gesetzlich Versicherte zahlen 10 Prozent der Kosten plus 10 Euro je Verordnung, Versicherte unter 18 Jahren sind befreit. Reicht die orientierende Menge nicht, sind weitere Verordnungen im selben Verordnungsfall möglich. Privat Versicherte klären die Erstattung vorab mit ihrem Tarif.

Häufige Fragen

Wie lange dauert ein Tennisarm?

Die Beschwerden können nach wenigen Wochen verschwinden, dauern aber oft einige Monate. Laut IQWiG sind rund 80 Prozent der Betroffenen innerhalb eines Jahres schmerzfrei. Das ist ein Richtwert, im Einzelfall kann es länger dauern.

Welche Übungen helfen bei Tennisarm?

Am besten untersucht ist exzentrisches Training: die Muskeln werden beim langsamen Zurückführen der Last gefordert. Das IQWiG empfiehlt es etwa 3-mal täglich über 1 bis 3 Monate, wer konsequent übt, wird in Studien schneller schmerzfrei. Wie die Übungen richtig ausgeführt werden, zeigt Ihnen die Therapeutin oder der Therapeut.

Zahlt die Kasse Physiotherapie bei Tennisarm?

Ja, wenn eine Heilmittelverordnung ausgestellt wird. In der Diagnosegruppe EX sind bis zu 6 Behandlungen je Verordnung möglich. Gesetzlich Versicherte zahlen 10 Prozent der Kosten plus 10 Euro je Verordnung. Stoßwelle und Laser gehören nicht zu den Heilmitteln im Heilmittelkatalog.

Hilft eine Kortisonspritze bei Tennisarm?

Sie lindert kurzfristig. Wer mehrere Spritzen früh im Verlauf erhielt, hatte in Studien nach einigen Monaten jedoch mehr Schmerzen, außerdem kann sie die Heilung stören. Besprechen Sie Nutzen und Risiken mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Brauche ich bei Tennisarm eine Operation?

Selten. Operationen werden erst nach vielen Monaten bis Jahren und bei Erfolglosigkeit anderer Behandlungen angeboten. Ihr Nutzen ist kaum untersucht, die Studien lassen die Wirksamkeit offen.

Was ist der Unterschied zwischen Tennisarm und Golferarm?

Beim Tennisarm tut die Außenseite des Ellenbogens weh, beim Golferarm die Innenseite. Der Tennisarm ist mit etwa 2 Prozent der Bevölkerung häufiger als der Golferarm mit weniger als 1 Prozent. Das IQWiG beschreibt die Behandlung beider Beschwerdebilder gemeinsam.

Wie lange sollte ich bei einem Tennisarm den Arm schonen?

Das IQWiG empfiehlt, den Arm nach dem ersten Auftreten für einige Tage bis Wochen möglichst wenig zu belasten und schmerzauslösende Kraftübungen einige Wochen zu meiden. Erst wenn die Schmerzen deutlich abgeklungen sind, wird die Belastung langsam gesteigert.

Quellen

Zuletzt geprüft am 25.10.2026. Rechtliche und finanzielle Angaben können sich ändern.