Ratgeber · Beschwerden und Körperregionen · Stand 25.10.2026
Physiotherapie nach Hüft-OP: Reha-Phasen, Verordnungsmengen und Alltagsregeln
Nach einer Hüft-Operation beginnt die Physiotherapie meist schon am OP-Tag oder am Tag danach. Der Krankenhausaufenthalt dauert etwa 5 bis 10 Tage, danach folgt in der Regel eine dreiwöchige Anschlussheilbehandlung. Ohne Gehhilfe laufen viele Patientinnen und Patienten nach rund 6 Wochen. Auf Rezept sind danach bis zu 6 Behandlungen je Verordnung möglich, die orientierende Menge beträgt 18 Einheiten.
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Der Weg nach der Hüft-OP: Klinik, Reha, ambulante Physiotherapie
In Deutschland werden jedes Jahr zahlreiche künstliche Hüftgelenke eingesetzt. Das Endoprothesenregister Deutschland (EPRD) dokumentierte für das Jahr 2019 insgesamt 157.681 Hüfterstimplantationen, mehr als 90 Prozent davon Totalendoprothesen. Der Behandlungsweg folgt in der Regel diesen Stationen:
- Klinik: etwa 5 bis 10 Tage. Die Physiotherapie beginnt am OP-Tag oder am Folgetag, in den ersten Tagen üben Sie den Umgang mit Gehhilfen.
- Anschlussheilbehandlung (Reha): meist direkt im Anschluss, spätestens zwei Wochen nach der Entlassung, in der Regel für drei Wochen.
- Ambulante Physiotherapie auf Rezept: zur Stabilisierung, Kräftigung und Alltagsschulung nach der Reha oder anstelle einer Reha, wenn das ärztlich so entschieden wird.
- Eigentraining: Übungsprogramm, das Sie selbstständig fortführen.
Wer die Anschlussheilbehandlung organisiert, erfahren Sie im Krankenhaus. Üblicherweise unterstützt der Sozialdienst der Klinik bei Antrag und Platzsuche.
Zeitplan: Was nach welcher Zeit üblich ist
Die Angaben des IQWiG (Stand Mai 2024) sind Richtwerte. Maßgeblich sind die Vorgaben Ihres Operateurs:
| Zeitraum | Richtwert |
|---|---|
| Etwa 10 Tage | Wunde verheilt, Fäden oder Klammern werden nach 10 bis 15 Tagen entfernt |
| Erste 3 Monate | Gewebe heilt weiter ab, Verhaltensregeln für die Hüfte gelten |
| Etwa 6 Wochen | Gehen ohne Gehhilfe, wenn Muskulatur und Gelenkkapsel Halt geben |
| 6 bis 8 Wochen | Spaziergänge, Walking, Radfahren nach Rücksprache mit der Ärztin oder dem Arzt |
| Bis zu 3 Monate oder länger | Rückkehr zur Arbeit, auch stufenweise Wiedereingliederung möglich |
| Etwa 4 bis 6 Monate | Belastendere Sportarten wie Fußball, Skifahren oder Golf nach Rücksprache |
Für das Autofahren nennt eine kleine Studie (25 Hüftpatienten), über die die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie berichtet, frühestens etwa 4 Wochen nach der Operation. Entscheidend ist, dass Ein- und Aussteigen sowie die sichere Pedalbedienung ohne Probleme klappen. Im Zweifel warten Sie länger und fragen Ihre Operateurin oder Ihren Operateur.
Alltagsregeln in den ersten drei Monaten
Das IQWiG nennt für die ersten drei Monate folgende Vorsichtsmaßnahmen, damit das Hüftgelenk gut einheilt und sich nicht auskugelt (Luxation). Das Luxationsrisiko besteht vor allem in den ersten Wochen und ist selten:
- Beine nicht überkreuzen
- Das Bein nicht stark nach innen drehen oder abspreizen
- Die Hüfte nicht über 90 Grad beugen, etwa beim Sitzen auf sehr tiefen Möbeln
- Schweres Heben, Tragen und Schieben vermeiden
Die genauen Regeln hängen vom Zugangsweg und von der Prothese ab. Lassen Sie sich diese Regeln in der Klinik oder Reha schriftlich mitgeben und halten Sie sich daran, auch wenn Sie sich besser fühlen.
Wundbeobachtung gehört dazu: Lassen Sie ärztlich abklären, wenn die Wunde länger als 2 bis 3 Tage nässt, sich rötet, Fieber auftritt oder die Schmerzen zunehmen.
Was die Physiotherapie nach Hüft-TEP umfasst
Die Schwerpunkte verschieben sich im Verlauf. Zu Beginn geht es um sicheres Aufstehen, Gehen mit Gehhilfen und Treppen. Später folgen Kräftigung von Gesäß-, Oberschenkel- und Rumpfmuskulatur, Gleichgewichts- und Koordinationsübungen, Gangschulung und Alltagstraining, etwa Anziehen, Bücken oder Einsteigen ins Auto.
Gängige Heilmittel sind Krankengymnastik, Krankengymnastik am Gerät und Krankengymnastik im Bewegungsbad. Manuelle Lymphdrainage kommt bei Schwellungen nur auf ärztliche Verordnung infrage. Ziel ist, Muskulatur und Beweglichkeit aufzubauen, damit Alltag und Sport wieder möglichst unbeschwert gelingen. Garantien dafür gibt es nicht, der Verlauf ist individuell.
Vor der Operation: Was Sie vorbereiten können
Wer sich vor dem Eingriff vorbereitet, erleichtert die Zeit danach. Das IQWiG nennt folgende Punkte:
- Klinik: Zertifizierte Endoprothetikzentren finden Sie über endocert.de. Dort müssen Operateurinnen und Operateure jährlich mindestens 50 Eingriffe durchführen.
- Rauchstopp: mindestens einen Monat vorher. Wundheilungsstörungen und Infektionen treten dann seltener auf.
- Kortisonspritze ins Hüftgelenk in den letzten drei Monaten: vorher melden, weil das Infektionsrisiko erhöht ist.
- Vorerkrankungen: Diabetes gut einstellen lassen, Blutarmut behandeln lassen. Bei einem BMI über 40 steigt das Komplikationsrisiko deutlich.
- Packliste: Trainingsanzug mit weitem Hosenbein, flache rutschfeste Schuhe ohne Schnürsenkel, langer Schuhlöffel, Rucksack für die Unterarmgehstützen.
- Zuhause: Stolperfallen beseitigen, Vorräte anlegen und über den Sozialdienst der Klinik Haushaltshilfe oder häusliche Krankenpflege bei der Krankenkasse beantragen.
Hilfsmittel wie eine rutschfeste Duschmatte, eine Toilettensitzerhöhung, eine Strumpfanziehhilfe oder eine Greifzange erleichtern den Alltag in den ersten Wochen.
Welche Sportarten nach der Hüft-OP infrage kommen
Das IQWiG empfiehlt nach Rücksprache mit der Ärztin oder dem Arzt vor allem gelenkschonende Bewegung. Genannt werden Spazieren, Walking, Wandern, Radfahren, Schwimmen mit Kraulbeinschlag, Tanzen, Wassergymnastik und leichte Gymnastik. Als stark belastend gelten Joggen, Tennis, Squash, Fußball und Kampfsport.
| Belastung | Beispiele |
|---|---|
| Gut geeignet | Spazieren, Walking, Radfahren, Schwimmen, Wassergymnastik |
| Nur nach ärztlicher Freigabe | Golf, Skifahren, Fußball (frühestens nach etwa 4 bis 6 Monaten) |
| Stark belastend | Joggen, Tennis, Squash, Kampfsport |
Die Tabelle fasst die IQWiG-Einordnung zusammen. Ihre persönliche Freigabe hängt vom Operationsverlauf und Ihrer Prothese ab.
Rezept, Verordnungsmengen und Zuzahlung nach Hüft-OP
Der Zustand nach operativen Eingriffen am Gelenk fällt im Heilmittelkatalog des G-BA unter die Diagnosegruppe EX (Erkrankungen der Extremitäten und des Beckens):
- Höchstmenge je Verordnung: bis zu 6 Behandlungen
- Orientierende Behandlungsmenge: bis zu 18 Einheiten (bis zum 18. Lebensjahr bis zu 50)
- Frequenzempfehlung: 1 bis 3 Mal wöchentlich
- Beginn: innerhalb von 28 Kalendertagen nach Ausstellung
Das Krankenhaus kann im Rahmen des Entlassmanagements Heilmittel für bis zu sieben Kalendertage nach der Entlassung verordnen. Die Behandlung muss dann innerhalb von sieben Kalendertagen beginnen und innerhalb von zwölf Kalendertagen abgeschlossen sein, sonst verfallen die Einheiten. Danach stellt die Hausärztin, der Hausarzt oder die Orthopädin oder der Orthopäde die Anschlussverordnung aus.
Wird die orientierende Menge überschritten, sind weitere Verordnungen im selben Verordnungsfall möglich, wenn das Therapieziel nicht erreicht wurde. Gesetzlich Versicherte zahlen 10 Prozent der Kosten plus 10 Euro je Verordnung. Für Versicherte unter 18 Jahren entfällt die Zuzahlung. Bei der Anschlussheilbehandlung gelten eigene Zuzahlungsregeln, die Ihnen die Klinik oder Ihr Kostenträger nennt.
Übungen: Was Sie in der Praxis klären sollten
Welche Übungen zu Ihnen passen, legt die Therapeutin oder der Therapeut nach dem Befund fest. Diese Fragen helfen beim Heimprogramm.
- Welche?Lassen Sie sich jede Übung einmal zeigen und machen Sie sie unter Anleitung nach.
- Wie oft?Häufigkeit, Wiederholungen und Dauer notieren oder als Foto, Skizze oder Video mitnehmen.
- Wie fühlt es sich an?Fragen, welche Empfindung dazugehört und ab wann Sie die Übung abbrechen sollten.
- Wann melden?Klären, bei welchen Anzeichen Sie die Praxis oder Ihre Ärztin anrufen.
- Wie weiter?Nächsten Termin und den Zeitpunkt der Überprüfung des Programms festhalten.
Das ersetzt keine Anleitung durch Ihre Therapeutin oder Ihren Therapeuten und keine ärztliche Beratung.
Häufige Fragen
Wann beginnt die Physiotherapie nach einer Hüft-OP?
Meist am OP-Tag oder am Tag danach in der Klinik. Dort lernen Sie den Umgang mit Gehhilfen. Nach der Entlassung folgt oft eine Anschlussheilbehandlung, die spätestens zwei Wochen nach der Entlassung beginnen soll und in der Regel drei Wochen dauert.
Wie lange dauert die Reha nach Hüft-TEP?
Die Anschlussheilbehandlung dauert in der Regel drei Wochen. Bis Sie ohne Gehhilfe gehen, vergehen laut IQWiG oft etwa 6 Wochen, die Gewebeheilung dauert insgesamt etwa drei Monate. Wie lange Sie tatsächlich Unterstützung brauchen, ist individuell.
Wie viele Physiotherapie-Einheiten bekomme ich nach der Hüft-OP?
Pro Verordnung sind in der Diagnosegruppe EX bis zu 6 Behandlungen möglich, die orientierende Behandlungsmenge liegt bei 18 Einheiten. Reicht das nicht, kann die Ärztin oder der Arzt weitere Verordnungen im selben Verordnungsfall ausstellen.
Was darf ich nach der Hüft-OP nicht tun?
In den ersten drei Monaten sollten Sie laut IQWiG die Beine nicht überkreuzen, das Bein nicht stark nach innen drehen oder abspreizen, die Hüfte nicht über 90 Grad beugen und nicht schwer heben, tragen oder schieben. Die genauen Regeln legt Ihr Operateur fest.
Wann darf ich nach einer Hüft-OP wieder Auto fahren?
Eine kleine Studie nennt frühestens etwa 4 Wochen nach der Operation. Entscheidend sind sicheres Ein- und Aussteigen und eine sichere Pedalbedienung. Klären Sie den Zeitpunkt mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Muss ich nach der Hüft-OP eine Zuzahlung leisten?
Für Heilmittel auf Rezept zahlen gesetzlich Versicherte 10 Prozent der Kosten plus 10 Euro je Verordnung, unter 18 Jahren entfällt das. Für die Anschlussheilbehandlung gelten eigene Regeln. Fragen Sie dazu den Sozialdienst der Klinik.
Welche Sportarten sind nach einer Hüft-OP geeignet?
Das IQWiG nennt Spazieren, Walking, Wandern, Radfahren, Schwimmen, Tanzen und Wassergymnastik als geeignet. Joggen, Tennis, Squash, Fußball und Kampfsport gelten als stark belastend. Wann Sie welche Sportart beginnen, entscheidet Ihre Operateurin oder Ihr Operateur.
Quellen
- IQWiG gesundheitsinformation.de: Was erwartet mich vor und nach der Hüft-Operation?
- orthinform (DGOU): Nach Hüft- und Knie-OP, wann wieder ans Steuer
- orthinform (DGOU): Endoprothesenregister Deutschland, Patienteninformation
- G-BA: Heilmittelkatalog (Teil 2 der Heilmittel-Richtlinie), Diagnosegruppe EX
- G-BA: Heilmittel-Richtlinie (§ 7, § 15, § 16a Entlassmanagement)
- § 61 SGB V Zuzahlungen
Zuletzt geprüft am 25.10.2026. Rechtliche und finanzielle Angaben können sich ändern.
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