Ratgeber · Besondere Situationen und Zielgruppen · Stand 25.10.2026

Physiotherapie nach einer Operation: Ablauf, Rezept und Fristen

Nach einer Operation darf das Krankenhaus Physiotherapie für bis zu 7 Tage verordnen, die Behandlung muss innerhalb von 7 Tagen nach der Entlassung beginnen. Danach stellt Ihre Haus- oder Fachärztin Folgerezepte aus, üblich sind je Verordnung bis zu 6 Behandlungen. Gesetzlich Versicherte ab 18 zahlen 10 Prozent plus 10 Euro je Verordnung.

Zeitstrahl: Von der Entlassung bis zurück in den Alltag

Die Nachsorge nach einer Operation läuft in Stufen. Welche davon Sie durchlaufen, hängt von Eingriff, Alter und Begleiterkrankungen ab. Das entscheidet das Behandlungsteam, nicht Sie allein und nicht die Praxis.

PhaseWas passiertWer verordnet
KrankenhausFrühmobilisation, erste Übungen, Anleitung durch die Physiotherapie der KlinikKlinik
EntlassungEntlassrezept für bis zu 7 Tage, Behandlung muss innerhalb von 7 Tagen beginnenKrankenhausärztin oder Krankenhausarzt
AnschlussrehabilitationStationär oder ambulant, Beginn in der Regel innerhalb von 14 Tagen nach der KlinikKlinik beantragt, Kasse oder Rentenversicherung genehmigt
Ambulante PhysiotherapieKrankengymnastik, Manuelle Therapie, Lymphdrainage nach BefundHaus- oder Fachärztin
Alltag und SportEigenübungen, Training, Wiedereinstieg in Beruf und HobbyEigenverantwortung, bei Bedarf Selbstzahlerangebote

Das Entlassrezept: Wie lange gilt es?

Nach § 16a der Heilmittel-Richtlinie darf das Krankenhaus im Rahmen des Entlassmanagements Heilmittel wie eine Vertragsarztpraxis verordnen, aber nur für einen Zeitraum von bis zu sieben Kalendertagen nach der Entlassung. Die Verordnungsmenge richtet sich nach der Behandlungsfrequenz.

Wichtig ist die kurze Frist: Die Behandlung muss innerhalb von sieben Kalendertagen nach der Entlassung beginnen, sonst verliert das Rezept seine Gültigkeit. Zusätzlich muss sie innerhalb von zwölf Kalendertagen nach der Entlassung abgeschlossen sein. Nicht in dieser Zeit genutzte Einheiten verfallen.

Auf dem Entlassrezept steht das Entlassungsdatum. Rufen Sie noch aus der Klinik oder am ersten Tag zu Hause die Praxis an. Wer erst am Ende der Woche anruft, riskiert, dass kein Termin mehr in die Frist passt.

Entlassmanagement: Was die Klinik für die Nachsorge regeln muss

Zur Krankenhausbehandlung gehört nach § 39 Absatz 1a SGB V ein Entlassmanagement, das den Übergang in die Versorgung danach unterstützt. Sie haben gegenüber Ihrer Krankenkasse einen Anspruch auf Unterstützung dabei. Fragen Sie schon vor dem Entlasstag den Sozialdienst oder das Stationsteam, was für Sie vorgesehen ist.

  • Das Krankenhaus darf Heilmittel für bis zu sieben Tage nach der Entlassung verordnen.
  • Es informiert die weiterbehandelnde Ärztin über die Verordnung (§ 16a Absatz 4 Heilmittel-Richtlinie).
  • Das Entlassrezept bleibt bei der Höchstmenge je Verordnung und bei der orientierenden Behandlungsmenge der Folgerezepte unberücksichtigt (§ 16a Absatz 5).

Für Ihren Alltag heißt das: Die Menge vom Entlassrezept wird nicht von den späteren Rezepten Ihrer Hausärztin abgezogen. Bewahren Sie das Entlassrezept trotzdem auf, bis die Praxis es abgerechnet hat.

Bei einem vollstationären Aufenthalt zahlen Versicherte ab 18 Jahren im Krankenhaus 10 Euro je Kalendertag, höchstens für 28 Tage im Kalenderjahr (§ 39 Absatz 4 in Verbindung mit § 61 SGB V). Zahlungen für eine Anschlussrehabilitation werden darauf angerechnet.

Anschlussrehabilitation: Was gilt bei Zuzahlung und Beginn?

Bei bestimmten Eingriffen, etwa einem Gelenkersatz, ist eine Anschlussrehabilitation sinnvoll. Nach § 40 SGB V gilt der Anschluss an die Krankenhausbehandlung auch dann als unmittelbar, wenn die Maßnahme innerhalb von 14 Tagen beginnt, es sei denn, zwingende Gründe stehen dem entgegen.

Versicherte ab 18 Jahren zahlen je Kalendertag den Betrag nach § 61 Satz 2 SGB V, also 10 Euro. Bei einer Anschlussrehabilitation gilt diese Zuzahlung laut Gesetz für längstens 28 Tage je Kalenderjahr. Zuständig sein kann je nach Situation die Kranken- oder die Rentenversicherung, bei der Rentenversicherung gelten eigene Zuzahlungsregeln. Der Sozialdienst der Klinik hilft beim Antrag.

Rezept nach der Operation: Menge, Frequenz, Zuzahlung

Nach der Reha oder direkt nach der Entlassung verordnet die Haus- oder Fachärztin Physiotherapie. Der Heilmittelkatalog des G-BA nennt für Erkrankungen der Extremitäten und des Beckens (Gruppe EX), dazu zählen auch Zustände nach operativen Eingriffen, folgende Orientierung:

  • Höchstmenge je Verordnung: bis zu 6 Behandlungen
  • Orientierende Behandlungsmenge je Diagnose: bis zu 18 Einheiten
  • Frequenzempfehlung: 1 bis 3 Behandlungen pro Woche
  • Bei Wirbelsäulen- und Rumpfbeschwerden gelten eigene Gruppen, zum Beispiel WS

Die Höchstmenge je Verordnung gilt. Reicht die orientierende Gesamtmenge nicht aus, sind weitere Verordnungen möglich. Die individuellen medizinischen Gründe hält die Ärztin dann in ihrer Patientendokumentation fest (§ 7 Absatz 4). Die Zuzahlung beträgt 10 Prozent der Kosten plus 10 Euro je Verordnung (§ 61 SGB V). Kinder und Jugendliche unter 18 sind befreit.

Auf der Verordnung stehen Heilmittel, Anzahl, Frequenz und gegebenenfalls ein Hinweis auf dringlichen Behandlungsbedarf. Mit dem Vermerk „dringlich“ muss die Behandlung innerhalb von 14 statt 28 Kalendertagen beginnen.

Beispiel: Vom Entlassrezept zum Folgerezept

Beispiel (angenommene Zahlen): Nach einer Knieoperation fällt die Diagnose in die Gruppe EX. Das Krankenhaus stellt am Entlasstag ein Rezept über vier Behandlungen mit zwei Terminen pro Woche aus. Die Behandlung muss innerhalb von sieben Tagen beginnen und nach zwölf Tagen abgeschlossen sein, nicht genutzte Termine verfallen.

SchrittVerordnungMengeZuzahlung bei 25 Euro je Behandlung
1Entlassrezept der Klinik4 Einheiten10 Euro plus 10 Euro, also 20 Euro
2Folgerezept Hausärztinbis zu 6 Einheiten15 Euro plus 10 Euro, also 25 Euro
3Weitere Rezepte bei Bedarfbis zur orientierenden Menge von 18 Einheiten, danach mit Begründungje Rezept erneut 10 Prozent plus 10 Euro

Die Preise je Behandlung unterscheiden sich je Region und Krankenkasse, die Zahlen dienen nur der Veranschaulichung. Alle Rezepte gehören zum selben Verordnungsfall, solange sie dieselbe Diagnose betreffen und zwischen zwei Rezepten nicht mehr als sechs Monate liegen (§ 7 Absatz 1 Heilmittel-Richtlinie). Wenn die Therapieziele nach der orientierenden Menge noch nicht erreicht sind, sind weitere Verordnungen möglich.

Prüft die Ärztin, ob Physiotherapie allein genügt, berücksichtigt sie auch die Möglichkeit einer Rehabilitation: Erscheint der Erfolg der Heilmitteltherapie fraglich, ist nach § 12 Absatz 9 der Richtlinie zu prüfen, ob eine Leistung zur medizinischen Rehabilitation infrage kommt.

Welche Behandlungen kommen nach einer Operation infrage?

Welche Maßnahme sinnvoll ist, richtet sich nach Operation und Befund. Häufig verordnet werden:

  • Krankengymnastik (KG): Beweglichkeit, Kraft, Gangschulung, Anleitung zu Eigenübungen
  • Manuelle Therapie (MT): bei Bewegungseinschränkungen von Gelenken
  • Manuelle Lymphdrainage (MLD): bei Lymphödemen, zum Beispiel nach Tumoroperationen oder Lymphknotenentfernung, dafür sieht der Katalog eigene Regelungen vor
  • Wärme- oder Kältetherapie und Elektrotherapie: als ergänzende Heilmittel
  • Beckenbodentraining: nach Eingriffen im Beckenbereich, etwa nach Prostataoperationen

Die genaue Auswahl legt die Ärztin fest. Die Therapeutin oder der Therapeut passt Übungen und Belastung an den Heilungsverlauf an und stimmt sich bei Auffälligkeiten mit der Ärztin ab. Die Richtlinie verpflichtet sie, die Behandlung zu unterbrechen und zu informieren, wenn das Therapieziel voraussichtlich nicht erreicht wird (§ 16 Absatz 5).

Wann sollten Sie sich ärztlich melden?

Nach einer Operation gehören bestimmte Beschwerden sofort in ärztliche Hände. Dazu zählen zunehmende Schwellung oder Rötung der Wunde, Fieber, plötzlich stärkere Schmerzen, Taubheitsgefühle oder Schwellung und Schmerz in der Wade. Physiotherapie ersetzt keine ärztliche Abklärung. Fragen zur zulässigen Belastung klärt immer das Operationsteam, weil sie vom Eingriff abhängt.

Häufige Fragen

Wie schnell muss ich nach der Operation mit Physiotherapie beginnen?

Mit einem Entlassrezept innerhalb von 7 Kalendertagen nach der Entlassung. Bei normalen Rezepten gilt eine Frist von 28 Kalendertagen nach Ausstellung, bei dringlichem Bedarf 14 Tage.

Wie viele Behandlungen bekomme ich nach einer OP auf Rezept?

Je Verordnung sind laut Heilmittelkatalog bis zu 6 Behandlungen üblich, die orientierende Gesamtmenge liegt bei 18 Einheiten. Weitere Verordnungen sind bei medizinischem Bedarf möglich.

Was kostet Physiotherapie nach der Operation?

Gesetzlich Versicherte ab 18 zahlen 10 Prozent der Kosten plus 10 Euro je Verordnung. Für die Reha fallen 10 Euro pro Tag an.

Wer stellt das Rezept für die Physiotherapie nach der Klinik aus?

Direkt nach der Entlassung die Klinik für bis zu 7 Tage, danach die Haus- oder Fachärztin.

Was ist der Unterschied zwischen Reha und ambulanter Physiotherapie?

Reha ist eine mehrwöchige, meist ganztägige Maßnahme mit mehreren Fachbereichen und eigenem Antrag. Ambulante Physiotherapie sind einzelne Termine in der Praxis auf Heilmittelrezept.

Kann ich nach der OP einen Hausbesuch bekommen?

Ja, wenn Sie die Praxis aus medizinischen Gründen nicht aufsuchen können und die Ärztin den Hausbesuch auf dem Rezept verordnet.

Quellen

Zuletzt geprüft am 25.10.2026. Rechtliche und finanzielle Angaben können sich ändern.