Ratgeber · Besondere Situationen und Zielgruppen · Stand 25.10.2026

Beckenbodentraining und Beckenbodentherapie: Rezept, Kurs und Kosten

Beckenbodenphysiotherapie bekommen Frauen und Männer auf Rezept, wenn eine Ärztin oder ein Arzt zum Beispiel Beckenbodenschwäche oder Inkontinenz feststellt. Üblich sind je Verordnung bis zu 6 Behandlungen, die orientierende Gesamtmenge liegt bei 18 Einheiten. Gesetzlich Versicherte ab 18 zahlen 10 Prozent plus 10 Euro je Verordnung. Kurse ohne Rezept bezuschussen viele Kassen, wenn sie zertifiziert sind.

Wann ist Beckenbodentherapie sinnvoll?

Der Beckenboden ist eine Muskel- und Bindegewebsschicht, die Blase, Darm und bei Frauen die Gebärmutter stützt. Wird er schwächer oder verspannt sich, können Beschwerden entstehen. Der Heilmittelkatalog des G-BA führt dafür die Gruppe SO2 „Störungen der Ausscheidung“. Als Beispiele nennt er Stuhl- und Harninkontinenz, Beckenbodeninsuffizienz sowie postoperative und Bestrahlungsfolgen.

Anlässe, bei denen Betroffene häufig ärztliche Hilfe suchen:

  • ungewollter Urinverlust beim Husten, Niesen, Lachen oder Sport
  • starker Harndrang, den man kaum aufschieben kann
  • Druckgefühl im Unterleib oder Senkungsbeschwerden
  • Beschwerden nach Geburt, Unterleibsoperation oder Prostataoperation
  • Probleme bei Stuhlkontrolle

Wichtig: Diese Beschwerden haben unterschiedliche Ursachen. Lassen Sie sie zuerst ärztlich abklären, bei Frauen durch die Gynäkologin, bei Männern und Frauen durch Urologie oder Hausarztpraxis. Therapie ist erst nach Diagnose und Verordnung Kassenleistung.

Beckenbodentherapie auf Rezept: Menge, Dauer, Kosten

Für die Gruppe SO2 nennt der Heilmittelkatalog diese Orientierung:

MerkmalAngabe
Vorrangige HeilmittelKrankengymnastik (auch in der Gruppe), Übungsbehandlung (auch in der Gruppe)
Ergänzendes HeilmittelElektrotherapie
Höchstmenge je Verordnungbis zu 6 Behandlungen
Orientierende Behandlungsmengebis zu 18 Einheiten
Frequenzempfehlung1 bis 3 Behandlungen pro Woche

Diese Werte sind Orientierung. Die Ärztin entscheidet nach medizinischem Bedarf. Die Höchstmenge je Verordnung gilt, weitere Verordnungen sind bei Bedarf möglich. Die Behandlung muss innerhalb von 28 Kalendertagen nach Ausstellung beginnen, bei dringlichem Bedarf innerhalb von 14 Tagen.

Die Zuzahlung beträgt für gesetzlich Versicherte ab 18 Jahren 10 Prozent der Kosten plus 10 Euro je Verordnung (§ 61 SGB V). Die Belastungsgrenze von 2 Prozent des Bruttoeinkommens, bei chronisch Kranken 1 Prozent, begrenzt Ihre jährlichen Zuzahlungen (§ 62 SGB V).

Was passiert in der Beckenbodentherapie?

Die Therapie beginnt mit Befund und Gespräch. Danach lernen Sie typischerweise:

  • den Beckenboden wahrzunehmen, anzuspannen und wieder zu entspannen
  • Atmung, Haltung und Bauchmuskulatur einzubeziehen
  • Übungen für den Alltag, etwa beim Heben und Husten
  • Trink- und Toilettenverhalten, abgestimmt mit der Ärztin

Manche Praxen nutzen ergänzend Elektrotherapie. Ob sie sinnvoll ist, richtet sich nach Befund und Verordnung. Fragen Sie die Praxis auf Wunsch, welche Weiterbildung im Bereich Beckenboden vorliegt. Ob und wie schnell sich Beschwerden bessern, lässt sich im Voraus nicht zusagen. Das hängt von Ursache, Ausgangslage und regelmäßigem Üben ab.

Von der Verordnung bis zur Folgebehandlung: So läuft es ab

  1. Abklärung. Die Ärztin stellt die Diagnose und trägt sie mit Diagnosegruppe SO2 auf das Rezept ein. Die Leitsymptomatik ist laut Katalog entweder Stuhlkontinenz (a), Harnkontinenz (b) oder eine patientenindividuelle Symptomatik (x).
  2. Termin. Die Behandlung muss innerhalb von 28 Kalendertagen beginnen. Stimmen Sie den ersten Termin gleich ab.
  3. Behandlung. Die Frequenz auf dem Rezept ist für die Praxis bindend. Will die Therapeutin sie ändern, muss sie das mit der Ärztin abstimmen und auf dem Rezept dokumentieren (§ 16 Absatz 3 Heilmittel-Richtlinie).
  4. Zwischenbilanz. Ergibt sich, dass das Therapieziel voraussichtlich nicht erreicht wird oder Sie unerwartet reagieren, unterbricht die Therapeutin die Behandlung und informiert die Ärztin (§ 16 Absatz 5).
  5. Folgerezept. Reicht die Menge nicht aus, sind weitere Verordnungen im selben Verordnungsfall möglich. Die Ärztin hält die medizinischen Gründe in ihrer Dokumentation fest. Ein neuer Verordnungsfall beginnt erst, wenn sechs Monate ohne weitere Verordnung vergangen sind (§ 7).

Zur Einordnung ein Beispiel mit angenommenen Zahlen: Kostet eine Behandlung 30 Euro, kostet ein Rezept über sechs Behandlungen 180 Euro. Die Zuzahlung beträgt dann 18 Euro (10 Prozent) plus 10 Euro, insgesamt 28 Euro. Kosten und Zuzahlung bei Ihrer Praxis können abweichen.

Männer und Beckenboden: Nach Prostataoperation und bei Beschwerden

Beckenbodentraining ist nicht nur Frauensache. Der Heilmittelkatalog gilt unabhängig vom Geschlecht, die Gruppe SO2 nennt ausdrücklich postoperative Folgen und Bestrahlungsfolgen. Männer suchen Hilfe vor allem nach der operativen Entfernung der Prostata, bei Harnverlust oder bei Schmerzen im Beckenbereich.

Der Weg ist derselbe: Abklärung beim Urologen oder bei der Hausärztin, Verordnung mit Diagnose, Termin in einer Praxis mit passender Erfahrung. Fragen Sie bei der Terminvereinbarung, ob Männer regelmäßig in der Praxis behandelt werden. Auf Wunsch nennt die Praxis, ob eine Behandlung durch einen Therapeuten desselben Geschlechts möglich ist.

Einzel- oder Gruppentherapie: Was verordnet die Ärztin?

Der Katalog nennt für Störungen der Ausscheidung sowohl Krankengymnastik und Übungsbehandlung als Einzeltherapie als auch als Gruppentherapie. Nach § 10 der Heilmittel-Richtlinie ist Gruppentherapie zu verordnen, wenn Einzeltherapie medizinisch nicht zwingend geboten ist, etwa wegen gruppendynamisch erwünschter Effekte oder aus Gründen der Wirtschaftlichkeit.

  • Einzeltherapie kommt infrage, wenn individuelle Befunde oder Schmerzen im Vordergrund stehen, etwa nach Operationen im Beckenbereich.
  • Gruppentherapie eignet sich für das Üben von Wahrnehmung, Anspannung und Entspannung mit anderen Betroffenen.
  • Wechsel während der Serie: Kann die verordnete Gruppentherapie nur als Einzeltherapie stattfinden, informiert die Therapeutin die Ärztin und begründet das auf dem Rezept. Auch der umgekehrte Wechsel ist mit Ihrer Zustimmung und im Einvernehmen mit der Ärztin möglich (§ 16 Absatz 6).

Sagen Sie Ihrer Ärztin, wenn Sie Gruppensituationen belasten. Ob Einzeltherapie medizinisch notwendig ist, entscheidet sie im Einzelfall.

Beckenbodenkurs ohne Rezept: Prävention und Selbstzahlung

Es gibt Kurse zur Vorbeugung, die Sie ohne Rezept besuchen können. Nach dem Leitfaden Prävention des GKV-Spitzenverbands prüft die Zentrale Prüfstelle Prävention im Auftrag der Krankenkassen, ob Kursangebote zur individuellen verhaltensbezogenen Prävention die Kriterien erfüllen. Zertifizierte Kurse bezuschusst Ihre Krankenkasse häufig. Sie reichen dazu eine Teilnahmebescheinigung samt Antrag ein. Wie hoch der Zuschuss ist und wie oft er gezahlt wird, legt jede Kasse selbst fest.

Nach der Geburt bietet die Hebamme einen Rückbildungskurs an, der den Beckenboden zum Schwerpunkt hat. Er ist nach dem Hebammenhilfevertrag bis zum Ende des neunten Monats nach der Geburt abrechenbar und für Mütter zuzahlungsfrei.

Wer Beckenbodentraining ohne Verordnung in einer Praxis nutzt, zahlt als Selbstzahler nach dem Preis der Praxis. Lassen Sie sich Preis und Dauer vorab nennen.

Selbst üben oder Therapie? Eine Entscheidungshilfe

SituationNaheliegender Weg
Erste Beschwerden, unklare UrsacheÄrztliche Abklärung
Diagnose Beckenbodenschwäche, HarnverlustHeilmittelrezept, Beckenbodenphysiotherapie
Vorbeugung, keine Beschwerdenzertifizierter Präventionskurs
Nach der GeburtRückbildungskurs der Hebamme, bei Beschwerden zusätzlich Rezept
Nach Operation im BeckenbereichVerordnung durch die behandelnde Ärztin

Bei Blut im Urin, Fieber, Schmerzen beim Wasserlassen oder plötzlichem Kontrollverlust gehört die Abklärung sofort in ärztliche Hände.

Häufige Fragen

Kann ich Beckenbodentraining auf Rezept bekommen?

Ja. Bei einer ärztlichen Diagnose, zum Beispiel Beckenbodeninsuffizienz oder Harninkontinenz, kann Krankengymnastik verordnet werden. Je Verordnung sind bis zu 6 Behandlungen üblich.

Was kostet Beckenbodentraining?

Gesetzlich Versicherte ab 18 zahlen 10 Prozent der Kosten plus 10 Euro je Verordnung. Selbstzahler zahlen nach Preisliste der Praxis.

Bekommen auch Männer Beckenbodentherapie?

Ja, der Heilmittelkatalog gilt für alle. Häufig verordnet wird sie nach einer Prostataoperation oder bei Harnverlust.

Wie viele Termine brauche ich?

Das richtet sich nach Befund und Ziel. Der Katalog nennt eine orientierende Behandlungsmenge von bis zu 18 Einheiten, bei Bedarf sind weitere Verordnungen möglich.

Zahlt die Kasse einen Beckenbodenkurs?

Zertifizierte Präventionskurse bezuschusst die Kasse häufig, den Rückbildungskurs der Hebamme zahlt sie. Die Höhe des Zuschusses bei Präventionskursen legt jede Kasse selbst fest.

Welche Ärztin oder welcher Arzt stellt das Rezept aus?

Hausärztin, Gynäkologie oder Urologie, je nach Beschwerden und Befund.

Quellen

Zuletzt geprüft am 25.10.2026. Rechtliche und finanzielle Angaben können sich ändern.