Ratgeber · Verfahren und Methoden im Detail · Stand 25.10.2026

Ultraschalltherapie in der Physiotherapie: Ablauf und Einsatzgebiete

Die Ultraschalltherapie ist in der gesetzlichen Krankenversicherung als Ultraschall-Wärmetherapie ein ergänzendes Heilmittel der Physiotherapie. Die Praxis erhält dafür laut Vergütungsvereinbarung 14,66 Euro je Behandlung, Sie zahlen 10 Prozent davon plus 10 Euro je Verordnung. Für Rückenschmerzen ohne spezifische Ursache raten Leitlinien von therapeutischem Ultraschall ab.

Was ist Ultraschalltherapie?

Bei der Ultraschalltherapie erzeugt ein Schallkopf hochfrequente Schallwellen, die ins Gewebe eindringen. Sie liegen in einem Frequenzbereich zwischen etwa 0,8 und 3 Megahertz und sind nicht hörbar. Im Gewebe entstehen zwei Effekte: eine mechanische Wirkung, eine Art feine Vibration, und eine thermische Wirkung, also Wärme in tieferliegenden Schichten.

Die Heilmittel-Richtlinie führt die Ultraschalltherapie unter der Thermotherapie auf. Dort heißt sie Wärmetherapie mittels Ultraschall. Sie soll die Durchblutung und den Stoffwechsel verbessern und tiefergelegene Gewebeschichten erwärmen.

Nicht verwechseln sollten Sie die Therapie mit der Sonografie, dem Ultraschall zur Bildgebung. Dort wird der Schall genutzt, um Organe oder Gewebe darzustellen, nicht um zu behandeln. Auch die Stoßwellentherapie ist ein anderes Verfahren.

Wie läuft eine Ultraschallbehandlung ab?

  1. Prüfung der Verordnung und Gegenanzeigen: Die Praxis fragt nach Vorerkrankungen, Medikamenten wie Gerinnungshemmern, Implantaten und früheren Bestrahlungen.
  2. Auswahl des Areals: Die zu behandelnde Stelle wird eingegrenzt.
  3. Kontaktgel: Es wird auf die Haut aufgetragen, damit der Schall gut übertragen wird.
  4. Beschallung: Der Schallkopf wird gleichmäßig und langsam über das Gebiet geführt. Je nach Gerät kommt Dauerschall oder Impulsschall zum Einsatz. Impulsschall erzeugt weniger Wärme.
  5. Abschluss: Das Gel wird entfernt und die Haut angesehen.

Die Vergütungsvereinbarung geht von einer Regelbehandlungszeit von 10 bis 20 Minuten aus, inklusive Vorbereitung. Die reine Beschallung eines Areals dauert nach Fachangaben oft nur wenige Minuten. Sie spüren in der Regel eine leichte Wärme. Melden Sie sofort, wenn es zu heiß wird oder schmerzt. Ein intensives Wärmegefühl auf der Haut kann ein Warnsignal sein, denn die Knochenhaut nimmt Schall stärker auf als die Haut.

Wofür wird Ultraschall eingesetzt?

Der Heilmittelkatalog nennt Wärmetherapie bei mehreren Diagnosegruppen als ergänzendes Heilmittel, unter anderem bei Erkrankungen der Wirbelsäule und der Extremitäten. Ob Ultraschall oder ein anderes Wärmeverfahren gewählt wird, entscheiden Ärztin und Therapeutin nach Befund.

Typische Einsatzgebiete in der Praxis sind Muskelschmerzen, chronische Muskel- oder Sehnenschmerzen und Gewebeverklebungen oder Narben. Für diese Krankheitsbilder lässt sich aus der verfügbaren Datenlage allerdings keine verbindliche Behandlungsempfehlung ableiten.

Die Leitlinien äußern sich zurückhaltend:

  • Die Nationale VersorgungsLeitlinie zum nicht-spezifischen Kreuzschmerz (Fassung 2017, laut NVL-Programm nicht mehr gültig und in Überarbeitung) empfiehlt, therapeutischen Ultraschall dabei nicht anzuwenden. Es wurde kein Wirksamkeitsnachweis gefunden, außerdem könne die Passivität gefördert werden, was dem Ziel der Aktivierung widerspricht.
  • Die S3-Leitlinie der DEGAM zu nicht-spezifischen Nackenschmerzen von 2025 sieht vor, dass Ultraschall einschließlich Stoßwelle dabei nicht eingesetzt werden sollte.

Für Sie in der Praxis bedeutet das: Fragen Sie, welches Ziel mit der Anwendung verfolgt wird und wie sie in ein aktives Programm eingebettet ist. Eine Behandlung, die nur aus Auflegen des Schallkopfes besteht, sollte nicht der Kern Ihrer Therapie sein. Sinnvoll ist, dass die Praxis nach wenigen Terminen prüft, ob Beschwerden nachlassen, und andernfalls Rücksprache mit der verordnenden Ärztin oder dem Arzt hält. Die Richtlinie verpflichtet Therapeuten, die Ärztin zu informieren, wenn sich das Therapieziel voraussichtlich nicht erreichen lässt.

Das heißt nicht, dass Wärme nie angenehm wäre. Es heißt, dass Ultraschall als alleinige Maßnahme bei diesen häufigen Beschwerden nicht empfohlen wird und aktive Maßnahmen im Vordergrund stehen sollten.

Verordnung, Kosten und Zuzahlung

Die Ultraschall-Wärmetherapie ist ein ergänzendes Heilmittel. Normalerweise wird sie nur zusammen mit einem vorrangigen Heilmittel wie Krankengymnastik, Manueller Therapie, Übungsbehandlung, Chirogymnastik oder Massagetherapie verordnet. Die Heilmittel-Richtlinie macht eine Ausnahme: Ultraschall-Wärmetherapie darf auch allein verordnet werden, wenn der Heilmittelkatalog sie für die Diagnosegruppe als ergänzendes Heilmittel vorsieht. Andere Wärme- und Kälteanwendungen dürfen nicht allein verordnet werden.

PositionPreis ab 01.01.2026Zuzahlung je Behandlung
Ultraschall-Wärmetherapie, Einzelbehandlung14,66 Euro1,47 Euro
Wärmetherapie mittels Heißluft7,43 Euro0,74 Euro
Heiße Rolle13,47 Euro1,35 Euro

Zusätzlich fallen 10 Euro je Verordnung an. Beispiel (frei gewählt): Bei einer Verordnung über sechs Behandlungen Ultraschall-Wärmetherapie allein kostet die Kasse 6 mal 14,66 Euro, also 87,96 Euro. Ihre Zuzahlung liegt bei rund 8,80 Euro plus 10 Euro, insgesamt etwa 18,80 Euro. Befreiung und Belastungsgrenze regelt § 62 SGB V.

Ohne Verordnung können Praxen Ultraschall als Selbstzahlerleistung anbieten. Preise legt dann die Praxis fest.

Gegenanzeigen und Sicherheit

Ultraschall erwärmt Gewebe. Deshalb gibt es Situationen, in denen die Praxis darauf verzichtet. Als typische Gegenanzeigen werden genannt:

  • Blutgerinnungsstörungen und Einnahme gerinnungshemmender Medikamente
  • Gefäßerkrankungen wie Krampfadern oder Thrombosen im Behandlungsgebiet
  • akute fieberhafte Erkrankungen
  • Tumore und Metastasen
  • vorherige Strahlentherapie im Gebiet
  • Gelenkersatz aus bestimmten Kunststoffen im Schallfeld

Sagen Sie der Praxis deshalb vorab, welche Erkrankungen und Implantate Sie haben und welche Medikamente Sie einnehmen. Eine ärztliche Abklärung ist besonders wichtig, wenn Schmerzen nach einem Unfall, nachts oder ohne erkennbare Ursache auftreten.

Ultraschalltherapie im Berufsalltag: Hinweise für Physiotherapeuten

Für die Abrechnung gilt die Positionsnummer für Ultraschall-Wärmetherapie in der Vergütungsvereinbarung. Beachten Sie:

  • Katalog prüfen: Soll Ultraschall allein erbracht werden, muss der Heilmittelkatalog ihn für die Diagnosegruppe als ergänzendes Heilmittel vorsehen.
  • Dokumentation: Notieren Sie Gegenanzeigenabfrage, Areal, Schallart, Intensität und Dauer.
  • Gerätewartung: Therapeutische Ultraschallgeräte sind Medizinprodukte. Halten Sie die Herstellervorgaben zu Prüfung und Wartung ein.
  • Aktiv statt passiv: Verbinden Sie passive Anwendungen mit Anleitung und Übungen, weil Leitlinien Aktivierung in den Vordergrund stellen.
  • Werbung: Das Heilmittelwerbegesetz verlangt sachliche Aussagen. Verzichten Sie auf Heilversprechen.

Für Berufseinsteiger lohnt sich die Frage im Vorstellungsgespräch, welche Geräte vorhanden sind und wie viel Zeit für aktive Behandlung bleibt.

Häufige Fragen

Was kostet Ultraschalltherapie bei der Physiotherapie?

Die Kasse zahlt der Praxis ab 01.01.2026 laut Vergütungsvereinbarung 14,66 Euro je Behandlung. Gesetzlich Versicherte zahlen 10 Prozent davon, also 1,47 Euro, plus 10 Euro je Verordnung.

Kann Ultraschalltherapie allein verordnet werden?

Ja, als Ausnahme. Die Heilmittel-Richtlinie erlaubt es, Ultraschall-Wärmetherapie auch ohne vorrangiges Heilmittel zu verordnen, wenn der Heilmittelkatalog sie indikationsbezogen als ergänzendes Heilmittel vorsieht.

Wie lange dauert eine Ultraschallbehandlung?

Die Vergütungsvereinbarung nennt eine Regelbehandlungszeit von 10 bis 20 Minuten. Die eigentliche Beschallung eines Areals dauert nach Fachangaben meist nur wenige Minuten.

Hilft Ultraschall bei Rückenschmerzen?

Die Nationale VersorgungsLeitlinie (Fassung 2017) empfiehlt bei nicht-spezifischem Kreuzschmerz, therapeutischen Ultraschall nicht anzuwenden, weil kein Wirksamkeitsnachweis vorliegt. Aktive Maßnahmen stehen im Vordergrund.

Wann darf kein Ultraschall angewendet werden?

Typische Gegenanzeigen sind Blutgerinnungsstörungen, Thrombosen, akute fieberhafte Erkrankungen, Tumore und eine vorherige Bestrahlung im Gebiet. Sagen Sie der Praxis alle Erkrankungen und Medikamente.

Quellen

Zuletzt geprüft am 25.10.2026. Rechtliche und finanzielle Angaben können sich ändern.