Ratgeber · Karriere in der Physiotherapie · Stand 25.10.2026

Physiotherapeut selbstständig: Was Praxisinhaber verdienen

Ein Praxisinhaber erzielt laut dem bundesweiten PhysioPraX-Gutachten (Erhebungsjahr 2015) rechnerisch im Schnitt einen Reinertrag von rund 73.700 Euro im Jahr, bevor Steuern, Kranken- und Altersvorsorge bezahlt sind. Das entspricht etwa 6.145 Euro im Monat. Wie viel davon als Einkommen bleibt, hängt von Auslastung, Personalkosten und Ihrer eigenen Arbeitszeit ab.

Was verdient ein selbstständiger Physiotherapeut?

Eine amtliche Statistik zum Einkommen von Physiotherapie-Praxisinhabern gibt es nicht. Die Kostenstrukturerhebung des Statistischen Bundesamtes weist Einnahmen, Aufwendungen und Reinerträge für Arztpraxen, Zahnarztpraxen und Praxen psychologischer Psychotherapeuten aus, Physiotherapie-Praxen werden in der Tabelle für das Berichtsjahr 2024 nicht ausgewiesen. Die belastbarste bundesweite Auswertung ist deshalb das PhysioPraX-Gutachten, das das Institut für Gesundheitsökonomik für Physio-Deutschland und den Verband Physikalische Therapie erstellt. Das vierte Gutachten wertet das Jahr 2015 aus und beruht auf Angaben von 477 Praxen aus 21 Landesverbänden. Der Schwerpunkt der Befragten lag bei Praxen mit 70.000 bis 170.000 Euro Jahresumsatz. Der Durchschnitt wird deshalb von größeren Praxen mit mehreren Inhabern mit beeinflusst. Die Zahlen sind außerdem älter, als es für heutige Entscheidungen ideal wäre. Sie zeigen aber die Struktur: Was Erlöse, Personal und Verwaltung kosten und wo der Gewinn entsteht.

Kennzahl 2015Alle PraxenEin InhaberMehrere InhaberJe Praxisinhaber
Praxiserlös281.634 Euro225.234 Euro430.132 Euro247.524 Euro
Praxisaufwand197.292 Euro179.750 Euro295.965 Euro173.789 Euro
Reinertrag84.341 Euro75.484 Euro134.167 Euro73.735 Euro

Der Reinertrag ist nicht das persönliche Einkommen. Davon bezahlen Sie noch Einkommensteuer, Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung und Ihre Altersvorsorge.

Wie rechnet man vom Erlös zum Einkommen? Ein Beispiel

Das folgende Beispiel verwendet die Werte je Praxisinhaber aus dem Gutachten. Es ist ein Rechenbeispiel, keine Prognose für Ihre Praxis.

SchrittBetrag
Praxiserlös je Inhaber und Jahr247.524 Euro
abzüglich Praxisaufwand je Inhaber173.789 Euro
Reinertrag je Inhaber und Jahr (rechnerischer Wert)73.735 Euro
Reinertrag je Monat (geteilt durch 12)rund 6.145 Euro
verfügbares Monatseinkommen nach Steuern, Sozialabgaben und Risikoabschlag laut Gutachten2.237 Euro

Das Gutachten vergleicht den Reinertrag mit dem Gehalt eines angestellten Physiotherapeuten (45 Jahre, Steuerklasse III). Es kürzt dazu den Reinertrag um Steuern und Sozialabgaben und zusätzlich um einen Abschlag von zehn Prozent für unternehmerisches Risiko und Kapitaleinsatz. Das Ergebnis lag in der Erhebung unter dem Nettoeinkommen eines Angestellten, das Vergleichsportale damals im Schnitt mit 2.754 Euro angaben. Das Fachblatt fasst zusammen: Viele der befragten Inhaber hätten als Angestellte mehr verdient. Heute liegen die Preise für Kassenleistungen anders als 2015, die Kosten ebenfalls. Rechnen Sie deshalb mit Ihren eigenen Zahlen nach.

Welche Kosten bestimmen den Gewinn einer Praxis?

Der größte Posten ist das Personal. Im Gutachten entfielen 67 Prozent der Ausgaben auf Löhne und Gehälter. Eine Praxis beschäftigte im Schnitt 7,7 Mitarbeiter, umgerechnet auf Vollzeit waren es 5,4 Stellen, davon 3,7 Therapeuten. Die vergleichsweise hohe Teilzeitquote erklärt den Abstand zwischen beiden Zahlen.

Die Raumkosten machten 13 Prozent der Gesamtkosten aus. Eine Praxis verfügte im Schnitt über 188 Quadratmeter bei 11,20 Euro Miete je Quadratmeter, das sind rechnerisch rund 2.100 Euro im Monat. Für die Zulassung gelten Mindestflächen: Nach den bundeseinheitlichen Zulassungsvoraussetzungen braucht eine Praxis mindestens 23 Quadratmeter Therapiefläche, davon einen Behandlungsbereich von 15 und einen von 8 Quadratmetern.

Hinzu kommen Zeiten, die nicht bezahlt werden. Das Gutachten nennt durchschnittlich 30 Stunden und 42 Minuten Verwaltungsaufwand für Kassenpatienten je Praxis und Woche, dazu 3 Stunden 42 Minuten Ausfallzeit durch nicht wahrgenommene Termine und 1 Stunde 42 Minuten durch Unterauslastung. Als Arbeitstakt für eine Einzelbehandlung gaben die Praxen 24,3 Minuten an, vorgesehen sind 20 Minuten Behandlungszeit.

Wie viel arbeitet ein Praxisinhaber?

Alleininhaber gaben eine durchschnittliche Wochenarbeitszeit von 49,6 Stunden an. Inhaber, die eine Praxis gemeinsam führen, kamen auf 30,5 Stunden, weil sich Behandlung und Verwaltung auf mehrere Personen verteilen. Rechnet man den Reinertrag auf die Arbeitszeit um, zeigt sich, warum das Modell mit mehreren Inhabern im Gutachten einen deutlich höheren Reinertrag je Praxis aufweist (134.167 Euro gegenüber 75.484 Euro bei einem Inhaber). Dem steht ein höherer Aufwand gegenüber, den sich die Inhaber teilen.

Ein Stundenvergleich macht den Unterschied zum Angestelltenverhältnis greifbar. Annahme für das Beispiel: 46 Arbeitswochen im Jahr bei 49,6 Stunden. Das ergibt rund 2.282 Stunden. Der Reinertrag von 73.735 Euro entspricht dann etwa 32 Euro je Arbeitsstunde, vor Steuern und Vorsorge. Ein angestellter Therapeut mit einem Bruttogehalt von 3.452 Euro im Monat bei 38 Wochenstunden kommt auf einen anderen Wert, trägt dafür aber kein unternehmerisches Risiko. Setzen Sie für Ihre Planung eigene Annahmen ein.

Welche Stellschrauben gibt es für mehr Ertrag?

  • Auslastung: Jede ausgefallene Stunde kostet Ertrag. Klare Absagefristen, Erinnerungen und eine Warteliste verringern Leerlauf.
  • Zertifikatspositionen: Abrechenbare Leistungen wie Manuelle Lymphdrainage oder Manuelle Therapie erweitern das Angebot. Im Gutachten hatten 97 Prozent der Praxen eine Zulassung für Lymphdrainage und 87 Prozent für Manuelle Therapie. Das zeigt: Die Zusatzqualifikation ist Standard, nicht Alleinstellungsmerkmal.
  • Selbstzahlerleistungen: Präventionskurse, Training und Leistungen ohne Verordnung ergänzen die Kassenleistungen. Die Preise müssen Sie selbst kalkulieren. Beachten Sie dabei die Werberegeln des Heilmittelwerbegesetzes: Werben Sie sachlich und ohne Heilversprechen.
  • Verwaltung: Eine digitale Praxissoftware, standardisierte Abrechnung oder eine Kraft für Empfang und Abrechnung entlasten die Behandlungszeit.
  • Kostenkontrolle: Miete, Personal und Fortbildung regelmäßig gegen den Erlös halten.

Die Vergütung der Kassenleistungen legen der GKV-Spitzenverband und die Berufsverbände im Vertrag nach § 125 Abs. 1 SGB V fest (Anlage 2, Vergütungsvereinbarung). Sie haben darauf als einzelne Praxis keinen Einfluss.

Steuern und Absicherung: Was gehört dazu?

Die selbstständige Tätigkeit von Krankengymnasten und Physiotherapeuten wird in der Regel als freiberuflich eingestuft (§ 18 EStG nennt Krankengymnasten ausdrücklich). Heilbehandlungen sind unter den Voraussetzungen des § 4 Nr. 14 UStG von der Umsatzsteuer befreit. Ob und wie das für Ihre Praxis gilt, klärt ein Steuerberater im Einzelfall. Planen Sie außerdem die Absicherung ein, die bei Angestellten der Arbeitgeber mitträgt: Krankenversicherung, Berufshaftpflicht, Altersvorsorge und eine Absicherung bei Krankheit. Als Inhaber mit Kassenzulassung sind Sie außerdem zur Fortbildung verpflichtet: 60 Fortbildungspunkte in vier Jahren.

Für Patienten gilt: Der Verdienst der Praxis ändert nichts an der gesetzlichen Zuzahlung. Sie richtet sich nach den Vorgaben für Heilmittel und wird nicht von der Praxis festgelegt.

Häufige Fragen

Was verdient ein selbstständiger Physiotherapeut im Monat?

Das PhysioPraX-Gutachten (Erhebungsjahr 2015) nennt einen Reinertrag von durchschnittlich 73.735 Euro je Praxisinhaber und Jahr, also rund 6.145 Euro im Monat. Davon sind Steuern, Krankenversicherung und Altersvorsorge noch zu bezahlen.

Verdient ein Praxisinhaber mehr als ein angestellter Physiotherapeut?

Nicht automatisch. Der Bericht der Fachzeitschrift zum Gutachten kam zu dem Ergebnis, dass viele Inhaber als Angestellte mehr verdient hätten. Ob das heute gilt, hängt von Auslastung, Kosten und Preisen Ihrer Praxis ab.

Wie viel Umsatz macht eine Physiotherapie-Praxis?

Im Gutachten lag der Erlös bei 281.634 Euro je Praxis, bei Praxen mit einem Inhaber bei 225.234 Euro und bei Praxen mit mehreren Inhabern bei 430.132 Euro (Erhebungsjahr 2015).

Welche Kosten sind in einer Physiotherapie-Praxis am höchsten?

Die Personalkosten. Sie machten im Gutachten 67 Prozent der Ausgaben aus, die Raumkosten 13 Prozent der Gesamtkosten.

Brauche ich eine Kassenzulassung, um selbstständig zu arbeiten?

Für die Abrechnung mit den gesetzlichen Krankenkassen ja, nach § 124 SGB V. Als Selbstzahler-Praxis ohne Kassenabrechnung können Sie ohne diese Zulassung arbeiten, haben dann aber keine Kassenpatienten mit Verordnung.

Quellen

Zuletzt geprüft am 25.10.2026. Rechtliche und finanzielle Angaben können sich ändern.