Ratgeber · Karriere in der Physiotherapie · Stand 25.10.2026

Physiotherapie Studium: Dual, primärqualifizierend oder Fachschule?

Ein Physiotherapie-Studium gibt es in drei Modellen: ausbildungsintegrierend, berufsbegleitend und primärqualifizierend. Nur Studiengänge, die nach § 18a MPhG die Berufszulassung enthalten, ersetzen die Fachschulausbildung. Alle drei Wege führen laut Berufsverband zum gleichen Berufsabschluss, das Studium ergänzt ihn um einen akademischen Grad.

Welche Studienmodelle gibt es?

Physio-Deutschland unterscheidet drei Modelle. Seit 2001 gibt es Bachelorstudiengänge, seit 2005 Masterstudiengänge. Die Modellklausel von 2009 erlaubte primärqualifizierende Studiengänge, in denen Sie ohne vorherige Fachschulausbildung Berufszulassung und akademischen Grad erwerben. Die befristete Modellklausel lief Ende 2024 aus (§ 19 MPhG), § 18a MPhG gilt ohne Befristung.

ModellAblaufBerufszulassung
Ausbildungsintegrierend (dual)Fachschule und Hochschule parallelJa, über die Fachschulprüfung
BerufsbegleitendStudium nach abgeschlossener Ausbildung, neben dem JobBereits vorhanden
PrimärqualifizierendStudium ersetzt die FachschuleJa, über die Hochschulprüfung nach § 18a MPhG

Welche Hochschulen welches Modell anbieten, ändert sich. Lassen Sie sich Studienordnung und Prüfungsordnung zeigen.

Dualer oder primärqualifizierender Bachelor: Was ist der Unterschied?

Beim dualen, ausbildungsintegrierenden Studium absolvieren Sie die Fachschulausbildung und das Studium parallel. Das bedeutet hohe zeitliche Belastung, dafür entsteht beides zugleich. Beim primärqualifizierenden Studium erwerben Sie die Berufszulassung in der Hochschule selbst. Nach § 18a MPhG dürfen die Länder dafür Ausbildungsziele, Dauer und Zugangsvoraussetzungen regeln. Das Ausbildungsziel darf dabei nicht gefährdet werden, und die Ausbildung muss mit der EU-Berufsanerkennungsrichtlinie vereinbar bleiben.

Fragen Sie vor der Bewerbung immer: Enthält der Studiengang die staatliche Erlaubnis, oder brauche ich zusätzlich die Fachschulprüfung?

Voraussetzungen und Zugang

Für ein Hochschulstudium brauchen Sie eine Hochschulzugangsberechtigung, also Abitur, Fachhochschulreife oder eine nach Landesrecht gleichgestellte Qualifikation. Viele Hochschulen führen ein Auswahlverfahren durch, einige verlangen ein Vorpraktikum oder einen Eignungstest. Die gesundheitliche Eignung und, für die Erlaubnis, die persönliche Zuverlässigkeit gelten wie bei der Fachschulausbildung. Die Details legt jede Hochschule in ihrer Zulassungsordnung fest.

Studium oder Fachschule: Wer sollte was wählen?

Ihre SituationNaheliegender Weg
Realschulabschluss, Ziel PraxisarbeitFachschulausbildung
Abitur, Interesse an Forschung, Lehre oder LeitungPrimärqualifizierender oder dualer Bachelor
Ausgebildet, Wunsch nach akademischem Grad neben dem JobBerufsbegleitendes Studium
Wunsch nach Spezialisierung nach der AusbildungFortbildungen oder Master

Wichtig: Nach Angaben von Physio-Deutschland führt ein Studium nicht automatisch zu höherer Bezahlung für die physiotherapeutische Tätigkeit. Der Lohn richtet sich meist nach den Tätigkeitsmerkmalen. Akademische Abschlüsse öffnen den Weg zu leitenden, beratenden und wissenschaftlichen Aufgaben, zu Lehre und betrieblichem Gesundheitsmanagement. Bei Tarifbindung gelten für Fachhochschulabschlüsse die Entgeltgruppen E9 bis E12 und für Universitätsabschlüsse E13 bis E15, wenn die Stelle entsprechende Anforderungen stellt.

Welche Prüfung legen Studierende ab?

Auch im Studium mit Berufszulassung bleibt die staatliche Prüfung maßgeblich. Nach § 18a Abs. 3 MPhG gilt die Ausbildungs- und Prüfungsverordnung unverändert, an die Stelle der Schule tritt die Hochschule. Abweichungen sind nur beim theoretischen und praktischen Unterricht zulässig (§ 18a Abs. 1), für die praktische Ausbildung am Patienten gelten damit weiter die Vorgaben der Verordnung. Das Erreichen des Ausbildungsziels darf nicht gefährdet werden.

Die zuständige Behörde kann eine modularisierte und kompetenzorientierte Gestaltung der Prüfung zulassen. Dann kann die Hochschule mit Zustimmung der Behörde Teile der staatlichen Prüfung durch Modulprüfungen ganz oder teilweise ersetzen, sofern sie den inhaltlichen Anforderungen der §§ 12 bis 14 PhysTh-APrV entsprechen (§ 18a Abs. 2). Diese Paragrafen beschreiben den schriftlichen, mündlichen und praktischen Prüfungsteil der Fachschulprüfung.

Frage an die HochschuleWarum sie wichtig ist
Ist der Studiengang nach § 18a MPhG staatlich zugelassen?Nur dann enthält er die Berufszulassung
Welche Prüfungsteile werden durch Modulprüfungen ersetzt?Das hängt von der Zustimmung der Landesbehörde ab
Wie sind Wiederholungen geregelt?Die Verordnung erlaubt je Prüfungsteil eine Wiederholung (§ 7 PhysTh-APrV)
Wo finden die Praxisphasen statt und wer organisiert sie?Die praktische Ausbildung am Patienten ist Pflichtbestandteil
Wann wird die Erlaubnis beantragt und wer unterstützt dabei?Ohne Erlaubnis dürfen Sie die Berufsbezeichnung nicht führen (§ 1 MPhG)

Lassen Sie sich Studien- und Prüfungsordnung zeigen und fragen Sie nach dem Bescheid der Landesbehörde zum Studiengang. Bei ausbildungsintegrierenden Modellen legen Sie die Fachschulprüfung nach den Regeln der Verordnung ab, das Studium ergänzt sie um den akademischen Grad.

Hochschule auswählen: Worauf achten?

  • Staatliche Anerkennung der Hochschule und des Studiengangs.
  • Ob die Berufszulassung im Studium enthalten ist.
  • Studienkosten: Semesterbeitrag oder Studiengebühren.
  • Kooperationen mit Kliniken und Praxen für die Praxisphasen.
  • Akkreditierung des Studiengangs.
  • Aussagen zur internationalen Anerkennung bei den zuständigen Stellen des Ziellandes prüfen.

Kann ich nach der Ausbildung studieren?

Ja. Wer eine Fachschulausbildung abgeschlossen hat und eine Hochschulzugangsberechtigung besitzt, kann ein berufsbegleitendes Studium oder einen Masterstudiengang beginnen. Je nach Land und Hochschule können beruflich erworbene Kompetenzen auf das Studium angerechnet werden. Fragen Sie die Hochschule nach den Anrechnungsregeln.

Was bringt ein Master nach dem Bachelor?

Seit 2005 gibt es Masterstudiengänge in der Physiotherapie und verwandten Gesundheitsfächern. Sie sind auf Forschung, Lehre, Leitung und Spezialisierung ausgerichtet. Sie ersetzen keine Berufserlaubnis, setzen aber meist einen ersten Hochschulabschluss voraus. Im Tarifbereich können Masterabschlüsse für Stellen mit entsprechenden Anforderungen höhere Entgeltgruppen begründen, wenn die Stelle es verlangt. Fragen Sie vor dem Studium, welche Stellen in Ihrer Region akademische Abschlüsse verlangen.

Typische Fragen vor der Entscheidung

  • Möchte ich überwiegend am Patienten arbeiten oder in Lehre und Forschung?
  • Kann ich ein Studium finanzieren, und wie sieht die Lebenshaltung während der Studienzeit aus?
  • Gibt es eine Hochschule in erreichbarer Nähe mit passendem Modell?
  • Sind Praxisphasen und Kooperationen gut organisiert?
  • Passt der Abschluss zu meinem Karriereziel, auch in Ländern außerhalb Deutschlands?

Für die internationale Anerkennung gelten Regeln des Ziellandes. Fragen Sie die zuständigen Stellen des Ziellandes.

Wie hoch ist der Aufwand im dualen Studium?

Im ausbildungsintegrierenden Modell laufen Unterricht an der Fachschule, Praxisphasen und Hochschulveranstaltungen nebeneinander. Das bedeutet vollere Wochen, Klausuren zusätzlich zu den Fachschulprüfungen und weniger Zeit für Nebenjobs. Dafür bekommen Sie zwei Abschlüsse in einem Zug. Klären Sie vor dem Start, wie Studien- und Ausbildungsleistungen verzahnt sind und welche Stelle Ihnen den Praxisplatz vermittelt.

Häufige Fragen

Kann man Physiotherapie studieren?

Ja. Seit 2001 gibt es Bachelor- und seit 2005 Masterstudiengänge. Primärqualifizierende Studiengänge, die die Berufszulassung enthalten, ermöglicht § 18a MPhG.

Was bedeutet primärqualifizierend?

Sie erwerben Berufszulassung und akademischen Grad im Studium, ohne vorher eine Fachschulausbildung zu absolvieren.

Verdient man mit Bachelor mehr als mit Ausbildung?

Nicht automatisch. Nach Angaben von Physio-Deutschland richtet sich der Lohn meist nach den Tätigkeitsmerkmalen. Ein Studium öffnet vor allem Wege in Leitung, Lehre und Forschung.

Brauche ich Abitur für das Physiotherapie-Studium?

Sie brauchen eine Hochschulzugangsberechtigung, in der Regel Abitur oder Fachhochschulreife. Die Fachschulausbildung ist mit Realschulabschluss möglich.

Wie lange dauert das Studium?

Das legt die Studienordnung der Hochschule je nach Modell fest. Fragen Sie vor der Bewerbung nach der Regelstudienzeit.

Darf ich nach dem Studium als Physiotherapeut arbeiten?

Nur, wenn der Studiengang die staatliche Erlaubnis enthält oder Sie sie zusätzlich beantragen. Klären Sie das vor der Bewerbung.

Muss ich im Studium auch die staatliche Prüfung ablegen?

Bei Studiengängen mit Berufszulassung gilt die Prüfungsverordnung mit der Hochschule an Stelle der Schule. Mit Zustimmung der Behörde können Modulprüfungen Teile der staatlichen Prüfung ersetzen (§ 18a Abs. 2 und 3 MPhG).

Quellen

Zuletzt geprüft am 25.10.2026. Rechtliche und finanzielle Angaben können sich ändern.