Ratgeber · Behandlungsformen · Stand 25.10.2026

Manuelle Lymphdrainage: Ablauf, Dauer und Verordnung

Manuelle Lymphdrainage (MLD) ist eine spezielle Massagetechnik, die den Lymphabfluss fördern soll und bei Lymph- und Lipödemen verordnet wird. Eine Sitzung dauert je nach Stadium 30, 45 oder 60 Minuten. Die Kasse übernimmt sie als Heilmittel; Sie zahlen 10 Prozent plus 10 Euro je Verordnung.

Was ist Manuelle Lymphdrainage?

Die Heilmittel-Richtlinie führt die Manuelle Lymphdrainage als Teil der Massagetherapie auf. Mit spezifischen Handgriffen soll der Lymphabfluss gefördert und der krankhaft erhöhte Flüssigkeitsgehalt im Gewebe verringert werden. Ergänzende Techniken sollen verhärtetes Gewebe, vor allem ab Stadium II, erweichen. Schmerzlinderung und Tonussenkung können als weitere Wirkungen auftreten, wenn sie mit der Lymphabflussstörung zusammenhängen.

Die Griffe sind sanft und rhythmisch. Es wird kaum Druck ausgeübt, die Haut wird verschoben und gedehnt, nicht geknetet. Wer eine kräftige Muskelmassage erwartet, wird etwas anderes erleben.

Bei welchen Erkrankungen wird sie verordnet?

Der Heilmittelkatalog ordnet die Manuelle Lymphdrainage der Diagnosegruppe LY, Lymphabflussstörungen, zu.

  • Primäres hereditäres Lymphödem
  • Sekundäre Lymphödeme, zum Beispiel nach Operationen, Bestrahlung, bösartigen Erkrankungen oder Verletzungen
  • Phlebo-Lymphödem
  • Lipödem im Stadium I bis III, auch ohne Lymphödem

Die Stadien des Lymphödems reichen von Stadium I (weiche Schwellung, die sich durch Hochlagern verringert) über Stadium II (Gewebeveränderungen, Hochlagern beseitigt die Schwellung nicht) bis Stadium III (harte, deformierende Schwellung, teils mit Hautveränderungen). Als Leitsymptome nennt der Katalog Schädigungen der Lymphgefäße, Hautveränderungen und Schmerzen.

Für Lymphödeme im Stadium II und III steht in Anlage 2 der Richtlinie ein langfristiger Heilmittelbedarf. Das gilt unter anderem für das Lymphödem der Extremitäten (ICD-10 I89.01 und I89.02), nach Mastektomie mit Lymphadenektomie (I97.21 und I97.22), nach Eingriffen am axillären oder inguinalen Lymphabflussgebiet sowie für hereditäre Formen (Q82.01 und Q82.02). Auch bösartige Neubildungen nach Operation oder Bestrahlung sind dort aufgeführt. In diesen Fällen findet kein Antrags- und Genehmigungsverfahren statt. Die Ärztin kann Verordnungen für bis zu 12 Wochen ausstellen, Höchstmenge und orientierende Menge sind dann nicht bindend. Die Menge richtet sich nach der Therapiefrequenz; bei einer Frequenzspanne zählt der höchste Wert.

Wie lange dauert eine Sitzung?

Die Richtlinie legt die Therapiezeit nach Stadium und Zahl der behandelten Körperteile fest. Körperteile sind Kopf und Hals, ein Arm, ein Bein oder der Rumpf.

VerordnungTypische Konstellation laut Richtlinie
MLD-30Stadium I bei einem oder zwei Körperteilen, Stadium II bei einem Körperteil
MLD-45Stadium II bei einem oder zwei Körperteilen, Stadium III bei einem Körperteil, in Ausnahmefällen Stadium I bei zwei Körperteilen
MLD-60Stadium II bei zwei Körperteilen, Stadium III bei einem oder zwei Körperteilen

Entscheidet die verordnende Ärztin nicht selbst, steht auf dem Rezept nur "MLD" mit dem Stadium als ICD-10-Code. Dann legt die Therapeutin befundabhängig fest, ob 30, 45 oder 60 Minuten nötig sind. Die zu behandelnden Körperteile müssen auf dem Rezept nicht angegeben werden.

Die Zeiten sind reine Therapiezeit an der Patientin oder dem Patienten. Wie lange der Termin insgesamt in der Praxis dauert, hängt auch von der Kompressionsbandagierung ab, die direkt im Anschluss an die Drainage erfolgt. Fragen Sie bei der Terminvergabe, wie viel Zeit die Praxis einplant.

Kompressionsbehandlung: Wie gehört sie dazu?

Laut Richtlinie ist die Kompressionstherapie entscheidend, um das Zurückfließen von Flüssigkeit in vorher entstautes Gewebe zu verhindern. Je nach Behandlungsphase kann sie als lymphologischer Kompressionsverband oder als maßgefertigte medizinische Flachstrickbestrumpfung erfolgen.

  • Die Kompressionsbandagierung kann zusätzlich zur MLD verordnet werden (MLD-30, MLD-45 oder MLD-60 plus Kompressionsbandagierung). Sie erfolgt direkt im Anschluss an die Drainage.
  • Die Binden sind gesondert als Verbandmittel zu verordnen, sofern keine Hilfsmittel zur Kompression vorhanden sind.
  • Das An- und Ausziehen eines Kompressionsstrumpfs durch die Therapeutin gehört nicht zur verordnungsfähigen Leistung.
  • Apparate zur Kompressionstherapie sind nicht Teil der Leistung Manuelle Lymphdrainage.

Verordnung, Menge und Zuzahlung

Je Verordnung sind bis zu 6 Behandlungen möglich, die orientierende Behandlungsmenge liegt bei bis zu 30 Einheiten, empfohlen werden 1 bis 3 Behandlungen pro Woche. Als ergänzende Heilmittel nennt der Katalog Wärmetherapie (insbesondere heiße Rolle), Kältetherapie, Elektrotherapie und Übungsbehandlung. Bei langfristigem Bedarf kann ein langfristiger Heilmittelbedarf nach § 32 Absatz 1a SGB V infrage kommen; die Diagnoseliste steht in Anlage 2 der Richtlinie.

Zuzahlung für gesetzlich Versicherte: 10 Prozent der Kosten plus 10 Euro je Verordnung, bis zum 18. Geburtstag keine. Für die Belastungsgrenze gelten 2 Prozent der Bruttoeinnahmen, bei chronisch Kranken 1 Prozent.

Die Praxis muss geleistete Zuzahlungen quittieren. Bewahren Sie die Belege auf: Für die Belastungsgrenze werden Zuzahlungen und Bruttoeinnahmen von Ehe- oder Lebenspartnern und Kindern im gemeinsamen Haushalt zusammengerechnet. Hat die Kasse die Grenze festgestellt, bekommen Sie eine Bescheinigung, dass im Rest des Kalenderjahres keine Zuzahlungen mehr anfallen.

Planen Sie die Termine so, dass zwischen zwei Behandlungen nicht mehr als 14 Tage liegen. Eine längere Unterbrechung ohne angemessene Begründung lässt die Verordnung verfallen.

Beispiel: Lymphödem am Arm nach einer Brustoperation

Beispiel (frei gewählt, keine Behandlungsempfehlung): Nach einer Mastektomie mit Lymphknotenentfernung entwickelt eine Patientin ein Lymphödem des Arms im Stadium II. Die Ärztin ordnet die Diagnose der Gruppe LY zu und verordnet MLD-45 mit Kompressionsbandagierung, Frequenz 2 bis 3 Mal pro Woche. Weil die Diagnose in Anlage 2 steht, kann sie die Verordnung für bis zu 12 Wochen ausstellen. Rechnerisch ergeben sich bei höchstens 3 Terminen pro Woche bis zu 36 Einheiten. Die Binden für die Kompression verordnet die Ärztin gesondert als Verbandmittel.

Je Verordnung zahlt die Patientin 10 Euro plus 10 Prozent der Kosten. Reicht die Verordnung nicht, folgt eine weitere im selben Verordnungsfall. Pausen von mehr als 14 Tagen ohne Begründung sollten vermieden werden, weil das Rezept sonst verfällt.

Wer führt die Behandlung durch und wann ist Vorsicht geboten?

Manuelle Lymphdrainage ist eine Maßnahme mit Zusatzqualifikation: Die Praxis muss eine abgeschlossene Weiterbildung nachweisen. Vor der Behandlung klärt die Ärztin, ob sie für Sie geeignet ist. Bei akuten Entzündungen, Fieber, frischer Thrombose, nicht behandelter Krebserkrankung oder schwerer Herzschwäche kann eine Drainage ungeeignet sein; das beurteilt die Ärztin im Einzelfall. Sagen Sie der Therapeutin deshalb alle Erkrankungen und Medikamente. Ein bestimmtes Behandlungsergebnis lässt sich nicht zusichern.

Häufige Fragen

Wie lange dauert eine Lymphdrainage?

Je nach Stadium und Zahl der behandelten Körperteile 30, 45 oder 60 Minuten. Die Zeit steht auf dem Rezept oder wird von der Therapeutin befundabhängig festgelegt.

Wie oft darf ich Lymphdrainage auf Rezept bekommen?

Bis zu 6 Behandlungen je Verordnung, empfohlen werden 1 bis 3 pro Woche. Die orientierende Gesamtmenge liegt bei bis zu 30 Einheiten; weitere Verordnungen sind bei medizinischer Begründung möglich.

Zahlt die Krankenkasse Lymphdrainage?

Ja, bei ärztlicher Verordnung wegen Lymph- oder Lipödem als Heilmittel. Sie zahlen 10 Prozent der Kosten plus 10 Euro je Verordnung.

Wird die Kompressionsbandage extra bezahlt?

Die Bandagierung kann ergänzend zur MLD verordnet werden. Die Binden sind gesondert als Verbandmittel zu verordnen, sofern kein Hilfsmittel zur Kompression vorhanden ist.

Gibt es Lymphdrainage auch bei Schwellungen nach einer Operation?

Sekundäre Lymphödeme, zum Beispiel nach Operationen oder Bestrahlung, nennt der Heilmittelkatalog ausdrücklich. Ob Lymphdrainage bei Ihnen verordnet wird, entscheidet die Ärztin nach Diagnose.

Kann jeder Physiotherapeut Lymphdrainage anbieten?

Nein, die Heilmittel-Richtlinie verlangt für die Manuelle Lymphdrainage eine zusätzliche abgeschlossene Weiterbildung.

Quellen

Zuletzt geprüft am 25.10.2026. Rechtliche und finanzielle Angaben können sich ändern.