Ratgeber · Behandlungsformen · Stand 25.10.2026

KG am Gerät auf Rezept: Ablauf, Verordnung und Praxisanforderungen

KG am Gerät (KG-Gerät) ist gerätegestützte Krankengymnastik an medizinischen Trainingsgeräten unter direkter Aufsicht einer Therapeutin oder eines Therapeuten. Sie wird auf ärztliche Verordnung bei Rücken-, Gelenk- und Schmerzerkrankungen eingesetzt, bis zu 6 Behandlungen je Verordnung. Sie zahlen 10 Prozent plus 10 Euro je Verordnung.

Was ist KG am Gerät?

Die Heilmittel-Richtlinie beschreibt gerätegestützte Krankengymnastik als Behandlung krankhafter Schädigungen der Bewegungssegmente der Wirbelsäule und der Muskelfunktion (Muskelkraft, -ausdauer, -koordination, -tonus) einschließlich motorischer Lähmungen. Sie erfolgt mit speziellen medizinischen Trainingsgeräten, vor allem bei chronischen Wirbelsäulenerkrankungen sowie nach Verletzungen oder Operationen.

Zwei Gerätetypen nennt die Richtlinie: Sequenztrainingsgeräte für Arme, Beine und Rumpf sowie Hebel- und Seilzugapparate (auxotone Geräte) für Rumpf- und Gliedmaßenmuskulatur.

KG am Gerät ist damit kein Fitnessstudio-Abo. Es ist ein verordnetes Heilmittel mit Befund, Trainingsplan und Dokumentation.

Wie läuft das Training ab?

  1. Erstgespräch und Befund durch die Therapeutin oder den Therapeuten
  2. Einweisung in die Geräte und Auswahl von Gewichten, Bewegungsumfang und Wiederholungen
  3. Training mit unmittelbarer Anleitung, Aufsicht und Kontrolle
  4. Anpassung des Plans nach Beschwerden und Verlauf
  5. Hinweise für Training zu Hause oder in Eigenregie nach Abschluss

Die Richtlinie schreibt vor, dass KG-Gerät grundsätzlich als parallele Einzelbehandlung mit höchstens 3 Patientinnen oder Patienten verordnet wird. Anleitung, Aufsicht und Kontrolle müssen unmittelbar durch die behandelnde Therapeutin oder den Therapeuten erfolgen. Wenn Sie in einem Raum mit mehr als drei anderen Personen und ohne feste Betreuung trainieren, ist das keine KG am Gerät im Sinne der Richtlinie.

Wer bekommt KG am Gerät verordnet?

Der Heilmittelkatalog nennt KG-Gerät als vorrangiges Heilmittel bei drei Diagnosegruppen.

DiagnosegruppeBeispieleHöchstmenge je VerordnungOrientierende Menge
WS, WirbelsäuleDegenerative Veränderungen, Bandscheibenprolaps, Haltungsstörungen, Osteoporosebis zu 6bis zu 18 Einheiten
EX, ExtremitätenZustand nach Operation, Frakturen, Arthrosebis zu 6bis zu 18 Einheiten
CS, chronifiziertes SchmerzsyndromFibromyalgie, neuropathische Schmerzenbis zu 6bis zu 18 Einheiten

Die Frequenzempfehlung liegt bei 1 bis 3 Mal pro Woche. Als ergänzende Heilmittel kommen etwa Wärme oder Kälte in Betracht. Die Ärztin entscheidet nach Diagnose, Leitsymptomatik und Therapieziel, ob KG-Gerät statt oder neben allgemeiner KG sinnvoll ist. Das Rezept muss "KG-Gerät" ausdrücklich nennen.

Bei Wirbelsäulenerkrankungen unterscheidet der Katalog die Schädigung der Bewegungssegmente und die Schädigung der Muskelfunktion als Leitsymptomatik. Die Indikation ergibt sich laut Richtlinie nicht aus der Diagnose allein, sondern aus der Gesamtbetrachtung der funktionellen Schädigungen, der Beeinträchtigung der Aktivitäten und der Kontextfaktoren wie Beruf oder Wohnumfeld.

Was muss die Praxis leisten?

Für KG-Gerät verlangt die Richtlinie eine zusätzliche, abgeschlossene Weiter- oder Fortbildung. Zugelassene Praxen müssen außerdem nach den Verträgen nach § 125 SGB V entsprechende Geräte und Räume vorhalten und die Zulassung nach § 124 SGB V besitzen. Die genauen Raum- und Geräteanforderungen stehen in den Zulassungsempfehlungen der Kassen und können sich ändern; Praxen erfragen sie bei ihrer Zulassungsstelle.

  • Qualifizierte Therapeutin oder Therapeut mit nachgewiesener Zusatzqualifikation
  • Geeignete Trainingsgeräte, wie in der Richtlinie beschrieben
  • Möglichkeit zur unmittelbaren Aufsicht bei höchstens 3 parallelen Patienten
  • Dokumentation der Behandlung auf der Verordnung

Als Patient können Sie fragen, ob die Praxis KG am Gerät anbietet und wie viele Personen gleichzeitig trainieren.

KG am Gerät, allgemeine KG und Übungsbehandlung: Wann welches Heilmittel?

Die Ärztin wählt das Heilmittel nach Ausprägung der Erkrankung, den funktionellen Schädigungen und dem Therapieziel. Als Faustregel zur Orientierung, nicht als Empfehlung im Einzelfall:

HeilmittelSchwerpunktBesonderheit
Allgemeine KGMobilisation, Stabilisation, BewegungsschulungEinzel oder Gruppe, ohne Zusatzqualifikation
KG am GerätMuskelkraft, Ausdauer, Koordination an GerätenZusatzqualifikation, höchstens 3 Patienten parallel
ÜbungsbehandlungGezielte aktive und passive ÜbungenEinzel oder Gruppe, Eigenübungen im Fokus
Manuelle TherapieGelenk- und SegmentmobilisationNur Einzeltherapie, Zusatzqualifikation

Die Verordnung kann bis zu drei verschiedene vorrangige Heilmittel kombinieren, zum Beispiel 3 mal KG und 3 mal KG-Gerät. Pro Tag soll nur eine Behandlung stattfinden, Doppelbehandlungen sind die begründete Ausnahme.

Fristen, Pausen und Anschlusstraining

Gerätetraining dauert oft über mehrere Rezepte, deshalb lohnen sich ein paar Regeln im Voraus.

  • Die erste Behandlung muss innerhalb von 28 Kalendertagen nach Ausstellung stattfinden, bei Dringlichkeit innerhalb von 14.
  • Die Frequenz auf dem Rezept, meist 1 bis 3 Mal pro Woche, ist für die Praxis bindend.
  • Eine Pause von mehr als 14 Kalendertagen ohne angemessene Begründung lässt das Rezept verfallen. Welche Gründe angemessen sind, regeln die Verträge nach § 125 SGB V.
  • Pro Tag soll nur eine Behandlung stattfinden.
  • Reicht die Menge nicht, sind weitere Verordnungen im selben Verordnungsfall möglich; die Ärztin dokumentiert die medizinischen Gründe.

Vor jeder Verordnung prüft die Ärztin, ob sich das Ziel auch durch ein Eigenübungsprogramm, allgemeine sportliche Betätigung oder eine geänderte Lebensführung erreichen lässt. Die Richtlinie sieht außerdem vor, dass nach Möglichkeit das Erlernen von Eigenübungsprogrammen im Vordergrund steht. Lassen Sie sich deshalb gegen Ende der Serie einen Plan für das Training in Eigenregie zeigen. Das Training im Fitnessstudio nach Abschluss ist Ihre private Entscheidung und keine Kassenleistung.

Kosten, Zuzahlung und Selbstzahler

Bei ärztlicher Verordnung zahlen gesetzlich Versicherte 10 Prozent der Kosten plus 10 Euro je Verordnung. Bis zum 18. Geburtstag fällt keine Zuzahlung an. Die Belastungsgrenze beträgt 2 Prozent der jährlichen Bruttoeinnahmen, bei chronisch Kranken 1 Prozent.

Ohne Rezept können Sie Gerätetraining in vielen Praxen privat buchen. Die Preise legt jede Praxis fest und sie sind nicht vereinheitlicht. Private Versicherungen erstatten je nach Tarif, oft nur bei ärztlicher Verordnung. Fragen Sie vor Beginn bei Ihrer Versicherung nach.

Die Praxis muss geleistete Zuzahlungen quittieren. Bewahren Sie die Belege auf: Für die Belastungsgrenze werden Zuzahlungen und Bruttoeinnahmen von Ehe- oder Lebenspartnern und Kindern im gemeinsamen Haushalt zusammengerechnet. Hat die Kasse die Grenze festgestellt, bekommen Sie eine Bescheinigung, dass im Rest des Kalenderjahres keine Zuzahlungen mehr anfallen.

Reagieren Sie beim Training in nicht vorhersehbarer Weise, etwa mit neu auftretenden starken Beschwerden, beenden Sie die Übung und sprechen Sie sofort die Therapeutin an. Sie muss die Ärztin unverzüglich informieren und die Behandlung unterbrechen.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen KG am Gerät und Fitnessstudio?

KG am Gerät ist ein ärztlich verordnetes Heilmittel mit Befund und Plan. Die Therapeutin oder der Therapeut leitet an und beaufsichtigt unmittelbar, höchstens 3 Patienten trainieren parallel. Das Fitnessstudio ist keine Kassenleistung.

Wie viele Termine KG am Gerät gibt es auf Rezept?

Bis zu 6 Behandlungen je Verordnung, die orientierende Gesamtmenge liegt bei bis zu 18 Einheiten je Verordnungsfall. Weitere Verordnungen sind bei medizinischer Begründung möglich.

Wer darf KG am Gerät verordnen?

Vertragsärztinnen und Vertragsärzte, wenn die Diagnose einer passenden Diagnosegruppe zugeordnet ist, zum Beispiel Wirbelsäule, Extremitäten oder chronifizierter Schmerz.

Kann ich KG am Gerät ohne Rezept machen?

Ja, als Selbstzahler zum Preis der Praxis. Die Kasse übernimmt dann nichts; private Versicherungen erstatten je nach Tarif.

Muss ich zuzahlen?

Ja, ab 18 Jahren 10 Prozent der Kosten plus 10 Euro je Verordnung, sofern keine Befreiung vorliegt.

Quellen

Zuletzt geprüft am 25.10.2026. Rechtliche und finanzielle Angaben können sich ändern.