Ratgeber · Vergleiche und Begriffe · Stand 25.10.2026
Physiotherapie oder Reha-Sport: Unterschied, Antrag und Kosten
Physiotherapie ist eine individuelle Einzelbehandlung auf Heilmittelverordnung, Reha-Sport ein ärztlich verordnetes Gruppenangebot mit Antrag bei der Krankenkasse (Muster 56). Der Richtwert für Reha-Sport liegt bei 50 Übungseinheiten in 18 Monaten, Funktionstraining wird meist für 12 Monate verordnet. Beide lassen sich nacheinander oder nebeneinander nutzen.
Hauptratgeber zum Thema Vergleiche und Begriffe: Physiotherapie-Begriffe erklärt: Glossar von A bis Z für Patienten und Therapeuten
Was ist der Unterschied zwischen Physiotherapie und Reha-Sport?
Physiotherapie behandelt Sie individuell: Die Therapeutin oder der Therapeut erhebt einen Befund, wählt Techniken und passt die Behandlung laufend an. Sie wird auf dem Heilmittelformular verordnet und von zugelassenen Praxen erbracht.
Reha-Sport ist nach § 64 Abs. 1 Nr. 3 SGB IX ärztlich verordneter Rehabilitationssport in Gruppen unter ärztlicher Betreuung und Überwachung. Er trainiert Ausdauer, Kraft, Koordination und Flexibilität und soll helfen, nach Erkrankung oder Operation wieder belastbarer zu werden und selbständig weiterzutrainieren. Angeboten wird er häufig von Sportvereinen und Gesundheitseinrichtungen.
Funktionstraining ist nach § 64 Abs. 1 Nr. 4 SGB IX ärztlich verordnetes Funktionstraining in Gruppen unter fachkundiger Anleitung und Überwachung. Es konzentriert sich auf bestimmte Muskeln und Gelenke, etwa bei Rheuma oder Osteoporose, und wird als Trocken- oder Wassergymnastik angeboten.
Die Unterschiede im Überblick
| Merkmal | Physiotherapie | Reha-Sport | Funktionstraining |
|---|---|---|---|
| Form | Einzelbehandlung (KG auch Gruppe) | Gruppe | Gruppe |
| Formular | Heilmittelverordnung | Muster 56 | Muster 56 |
| Umfang | Menge auf dem Rezept, bei WS und EX bis zu 6 je Verordnung | Richtwert 50 Einheiten in 18 Monaten | Richtwert 12 Monate, bei schweren Erkrankungen 24 |
| Schwerpunkt | individuelle Therapie, Befund, Anleitung | ganzheitliches Training in der Gruppe | gezielte Übungen für Muskeln und Gelenke |
| Ablauf | Rezept, Termin bei zugelassener Praxis | Verordnung, Antrag bei der Kasse, Anbieter suchen | Verordnung, Antrag bei der Kasse, Anbieter suchen |
| Eigenanteil | 10 Prozent plus 10 Euro je Verordnung | keine Zuzahlung für die Teilnahme, Vereinsbeitrag möglich | keine Zuzahlung für die Teilnahme, Vereinsbeitrag möglich |
Bei bestimmten Erkrankungen sind für Reha-Sport bis zu 120 Einheiten in 36 Monaten möglich, bei Herzgruppen 90 Einheiten in 24 Monaten. Die Werte sind Richtwerte der Rahmenvereinbarung und können im Einzelfall abweichen. Verbindlich ist die Genehmigung Ihrer Krankenkasse.
Wie kommen Sie zu Reha-Sport?
Der Weg ist länger als beim Heilmittelrezept, denn die Krankenkasse muss die Kostenübernahme genehmigen.
- Ärztliche Verordnung: Die Ärztin oder der Arzt füllt Muster 56 mit ICD-10-Diagnose, Gründen, Zielen, Dauer und Empfehlung zur Sportart aus.
- Antrag bei der Krankenkasse: Sie reichen das Formular ein und warten die Entscheidung ab. Beginnen Sie das Training nicht vorher, sonst ist die Kostenübernahme gefährdet.
- Anbieter suchen: Reha-Sport-Gruppen finden Sie in Vereinen und Einrichtungen. Fragen Sie nach der Anerkennung als Anbieter bei der Kasse.
- Nach Ablauf: Für eine Fortsetzung ist eine neue ärztliche Verordnung mit Begründung nötig.
Ist ausnahmsweise die Rentenversicherung zuständig, etwa im Anschluss an eine Reha, gelten eigene Fristen: Die Maßnahmen müssen innerhalb von drei Monaten nach Reha-Ende beginnen. Die Rentenversicherung übernimmt Reha-Sport und Funktionstraining in der Regel bis zu sechs Monate, längstens bis zu zwölf Monate.
Gruppen für Reha-Sport gibt es für unterschiedliche Erkrankungen, zum Beispiel für Orthopädie, Herz-Kreislauf, Krebserkrankungen oder neurologische Erkrankungen. Achten Sie bei der Auswahl darauf, dass die Gruppe zu Ihrer Diagnose passt und die Übungsleitung entsprechend qualifiziert ist. Eine Probestunde hilft, Tempo und Atmosphäre einzuschätzen. Bei Fragen zu Fahrtkosten oder Terminen sprechen Sie den Anbieter an, bevor Sie sich festlegen.
Was sind typische Fehler und Ausschlüsse?
- Physiotherapie-Rezept für Reha-Sport nutzen: Beides läuft über verschiedene Formulare.
- Vor Genehmigung starten: Ohne Bewilligung bleiben Sie unter Umständen auf den Kosten sitzen.
- Nicht erstattungsfähige Angebote: Nach der Rahmenvereinbarung ausgeschlossen sind unter anderem Selbstverteidigung und Kampfsport sowie Übungen an technischen Geräten (Ausnahmen gelten für bestimmte Herzgruppen).
- Ohne Pause die Fristen verpassen: Rentenversicherung und Krankenkasse haben Fristen. Beginnen Sie zeitnah.
- Anbieter ohne Anerkennung: Wenn die Kasse die Gruppe nicht kennt, kann die Erstattung scheitern. Fragen Sie vorher nach.
- Fortsetzung zu spät beantragt: Planen Sie die neue Verordnung vor dem Ende der Genehmigung, damit keine Lücke entsteht.
Privatversicherte klären die Erstattung vorab mit ihrer Versicherung, denn die Regeln der gesetzlichen Kassen gelten für sie nicht automatisch.
Beispiel: Ablauf nach einer Operation
Beispiel (erfunden, zur Erläuterung): Nach einer Knieoperation verordnet die Ärztin Krankengymnastik. Die Praxis behandelt zwei Mal pro Woche, übt Beweglichkeit und Gangbild und leitet Eigenübungen an. Nach Abschluss der verordneten Menge empfiehlt die Ärztin, das Training in einer Gruppe fortzusetzen, und füllt Muster 56 aus. Die Krankenkasse genehmigt den Antrag, die Patientin wählt eine anerkannte Reha-Sport-Gruppe und trainiert dort bis zu 50 Einheiten in 18 Monaten. So ergänzen sich beide Angebote.
Checkliste für den Antrag
- Verordnung auf Muster 56 mit Diagnose, Zielen und Dauer
- Antrag bei der Krankenkasse eingereicht und Entscheidung abgewartet
- Anerkannten Anbieter in Wohnortnähe gefunden
- Vereinsbeitrag und freiwillige Zusatzleistungen schriftlich erfragt
- Fortsetzung rechtzeitig vor Ablauf mit der Ärztin oder dem Arzt besprochen
Wann welche Leistung?
Eine Faustregel: Physiotherapie, wenn Beschwerden individuell behandelt und Technik angeleitet werden sollen, etwa nach einer Operation oder bei akuten Funktionseinschränkungen. Reha-Sport, wenn Sie langfristig in einer Gruppe trainieren wollen, zum Beispiel nach einer Herzerkrankung oder bei chronischen Rückenbeschwerden. Funktionstraining, wenn bestimmte Gelenke und Muskeln bei chronischen Erkrankungen regelmäßig bewegt werden sollen.
Beides ist kombinierbar, zum Beispiel erst Physiotherapie, dann Reha-Sport als Anschluss. Bei Reha-Sport kommen Sie in eine Gruppe mit festen Terminen, das hilft, Routinen aufzubauen. Dafür ist das Training weniger individuell als eine Einzelbehandlung. Wer dauerhaft individuelle Anleitung braucht, spricht mit der Ärztin oder dem Arzt über Folgeverordnungen für Physiotherapie. Besprechen Sie das mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Ein Behandlungserfolg lässt sich im Einzelfall nicht zusichern.
Für Therapeuten: Wer darf Funktionstraining anbieten?
Das Gesetz verlangt für Funktionstraining fachkundige Anleitung und Überwachung. Welche Qualifikationen und Verträge Anbieter nachweisen müssen, regeln Rahmenvereinbarung und Krankenkassen. Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten bringen fachlich passende Kenntnisse mit. Vor dem Aufbau eines Angebots lohnt eine Anfrage bei der Landesarbeitsgemeinschaft oder den Krankenkassen vor Ort sowie bei Ihrem Berufsverband.
Beachten Sie, dass solche Gruppen getrennt von der Heilmittelabrechnung geführt werden. Werbung bleibt sachlich und enthält keine Heilversprechen.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Reha-Sport und Physiotherapie?
Physiotherapie ist eine individuelle Heilmittelbehandlung, Reha-Sport ein ärztlich verordnetes Gruppentraining mit Antrag bei der Krankenkasse (Muster 56).
Wie lange läuft Reha-Sport?
Als Richtwert 50 Übungseinheiten innerhalb von 18 Monaten. Bei bestimmten Erkrankungen sind bis zu 120 Einheiten in 36 Monaten möglich.
Was ist Funktionstraining?
Ärztlich verordnetes Training in Gruppen für bestimmte Muskeln und Gelenke, zum Beispiel bei Rheuma oder Osteoporose, meist als Trocken- oder Wassergymnastik.
Muss die Krankenkasse Reha-Sport genehmigen?
Ja, Sie stellen den Antrag auf Kostenübernahme mit Muster 56. Beginnen Sie erst nach der Entscheidung.
Kann ich Physiotherapie und Reha-Sport gleichzeitig machen?
Das ist grundsätzlich möglich, wenn beides ärztlich verordnet und genehmigt ist. Klären Sie es mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt und der Kasse.
Was kostet Reha-Sport?
Nach der Rahmenvereinbarung dürfen Anbieter für die Teilnahme keine Zuzahlung oder Vorauszahlung verlangen. Ein Mitgliedsbeitrag bei freiwilliger Mitgliedschaft und freiwillige Zusatzleistungen sind möglich. Fragen Sie beim Anbieter nach den Beiträgen.
Quellen
- Gesetze im Internet: § 64 SGB IX Ergänzende Leistungen
- KBV: Muster 56, Antrag auf Rehabilitationssport und Funktionstraining
- betanet: Reha-Sport und Funktionstraining
- Gesetze im Internet: § 32 SGB V Heilmittel
- Gesetze im Internet: § 61 SGB V Zuzahlungen
- G-BA: Heilmittel-Richtlinie, Fassung in Kraft seit 5. August 2025
- KBV: Heilmittel (Verordnung, Zuzahlung, Blankoverordnung)
- BAR-Rahmenvereinbarung Rehabilitationssport und Funktionstraining
Zuletzt geprüft am 25.10.2026. Rechtliche und finanzielle Angaben können sich ändern.
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