Ratgeber · Vergleiche und Begriffe · Stand 25.10.2026

Physiotherapeut oder Heilpraktiker: Unterschiede bei Ausbildung und Befugnissen

Physiotherapeuten haben eine dreijährige staatliche Ausbildung und behandeln auf ärztliche Verordnung, Heilpraktiker brauchen eine Erlaubnis nach dem Heilpraktikergesetz, dürfen Heilkunde eigenständig ausüben und erhalten keine Kassenerstattung. Physiotherapeuten können eine auf ihr Fachgebiet beschränkte Heilpraktikererlaubnis erwerben und dann auch ohne Rezept behandeln.

Was unterscheidet Physiotherapeut und Heilpraktiker?

Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten üben einen staatlich geregelten Heilmittelberuf aus. Die Berufsbezeichnung ist geschützt, Voraussetzung ist die staatliche Erlaubnis (§ 1 MPhG) nach einer dreijährigen Ausbildung mit staatlicher Prüfung (§ 9 MPhG). Sie führen die Heilmittel aus, die eine Ärztin oder ein Arzt verordnet.

Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker üben Heilkunde auf Grundlage einer Erlaubnis nach dem Heilpraktikergesetz aus. Das Gesetz definiert Heilkunde als jede berufs- oder gewerbsmäßig vorgenommene Tätigkeit zur Feststellung, Heilung oder Linderung von Krankheiten, Leiden oder Körperschäden (§ 1 HeilprG). Anders als bei anderen Gesundheitsfachberufen gibt es keine staatlich geregelte Heilpraktiker-Ausbildung, die Erlaubnis erhalten Bewerber nach einer Kenntnisüberprüfung durch das Gesundheitsamt.

Kurz gesagt: Der eine Beruf führt verordnete Heilmittel aus, der andere darf selbständig untersuchen, eine Diagnose stellen und behandeln, mit gesetzlichen Grenzen.

Befugnisse im Vergleich

MerkmalPhysiotherapeut/inHeilpraktiker/in
Ausbildung3 Jahre, staatliche Prüfungkeine geregelte Ausbildung, Überprüfung beim Gesundheitsamt
Berufsbezeichnunggeschützt (§ 1 MPhG)geschützt, mit Erlaubnis nach HeilprG
Diagnose stellennein, ärztliche Diagnose ist Grundlage, Befund zur Therapieplanung jaja, im Rahmen der Erlaubnis
Behandeln ohne Rezeptnur mit zusätzlicher Heilpraktikererlaubnisja
Heilmittel auf Kassenrezeptjanein, Kassenrezepte gelten nur bei zugelassenen Heilmittelerbringern
KostenZuzahlung 10 Prozent plus 10 Euro je VerordnungSelbstzahler, Erstattung nach privatem Tarif
WerbungHeilmittelwerbegesetzHeilmittelwerbegesetz

Auch Heilpraktiker dürfen nicht alles: Die Feststellung und Behandlung bestimmter übertragbarer Krankheiten (§ 24 Infektionsschutzgesetz), die Zahnheilkunde und die Verordnung verschreibungspflichtiger Arzneimittel sind ihnen verwehrt. Für Details fragen Sie das zuständige Gesundheitsamt.

Was zahlt die Krankenkasse?

Gesetzlich Versicherte erhalten Physiotherapie als Heilmittel nach § 32 SGB V, wenn eine Vertragsärztin oder ein Vertragsarzt sie verordnet und die Praxis zugelassen ist (§ 124 SGB V). Die Zuzahlung beträgt 10 Prozent der Kosten plus 10 Euro je Verordnung, bei Erreichen der Belastungsgrenze entfällt sie.

Heilpraktikerleistungen sind keine Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung. Die Techniker Krankenkasse weist zum Beispiel darauf hin, dass sie Behandlungen bei Heilpraktikern nicht übernimmt. Manche Kassen bieten freiwillig Zuschüsse für ausgewählte Verfahren an, das regeln deren Satzungen. Private Krankenversicherungen und Zusatztarife erstatten Heilpraktikerleistungen je nach Vertrag.

Prüfen Sie vor dem ersten Termin schriftlich, was Ihr Tarif übernimmt, und lassen Sie sich einen Kostenvoranschlag geben.

Was ist die sektorale Heilpraktikererlaubnis für Physiotherapeuten?

Eine sektorale Heilpraktikererlaubnis erlaubt es, Heilkunde in einem abgegrenzten Fachgebiet auszuüben, zum Beispiel in der Physiotherapie. Das Bundesverwaltungsgericht hat 2009 entschieden, dass eine solche auf die Physiotherapie beschränkte Erlaubnis erteilt werden kann (BVerwG 3 C 19.08). Die Kenntnisüberprüfung beschränkt sich dann auf das Fachgebiet und auf die rechtlichen Grenzen der Heilkundeausübung.

Wer die Erlaubnis hat, darf Patientinnen und Patienten im Rahmen des Fachgebiets ohne ärztliche Verordnung behandeln. Das ist für Selbstzahler von Interesse. Als Kassenleistung läuft die Behandlung weiter nur auf ärztliche Verordnung. Die Voraussetzungen, Gebühren und Prüfungsinhalte legen die Bundesländer fest, die Anträge laufen über das Gesundheitsamt.

Eine Erlaubnis für verwandte Verfahren wie Osteopathie oder Chiropraktik lässt sich daraus nicht ableiten. Die Rechtslage ist hier uneinheitlich und teilweise Gegenstand von Gerichtsverfahren.

Wann zu wem?

  • Nach Diagnose und Verordnung: Wenn Ihre Ärztin oder Ihr Arzt Krankengymnastik, Manuelle Therapie oder Massage verordnet hat, gehen Sie zu einer zugelassenen Physiotherapiepraxis.
  • Ohne Rezept und mit eigenem Budget: Eine Praxis mit sektoraler Heilpraktikererlaubnis oder eine Heilpraktikerin beziehungsweise ein Heilpraktiker behandelt als Selbstzahlerleistung.
  • Bei unklaren, anhaltenden oder neuen Beschwerden: Zuerst zur ärztlichen Abklärung, denn Diagnose und Ausschluss gefährlicher Ursachen gehören in ärztliche Hand.
  • Bei Verfahren, die Sie interessieren: Fragen Sie nach Grundberuf, Zusatzqualifikation und Erfahrung. Ein Heilversprechen ist kein Zeichen von Qualität.

Beide Berufe können sich ergänzen. Informieren Sie jede Praxis über die jeweils anderen laufenden Behandlungen und Medikamente. Fragen Sie außerdem, wie die Praxis mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt zusammenarbeitet: Ein Therapiebericht auf Anforderung der Ärztin oder des Arztes gehört bei Kassenbehandlungen zum Alltag und hilft, Doppeluntersuchungen zu vermeiden.

Als Orientierung für das Erstgespräch eignen sich drei Fragen: Welche Berufserlaubnis haben Sie? Welche Zusatzqualifikation liegt dem angebotenen Verfahren zugrunde? Welche Kosten entstehen je Sitzung und wer erstattet sie? Eine Praxis, die diese Fragen offen beantwortet, handelt nachvollziehbar.

Häufige Missverständnisse

  • Heilpraktiker sind Ärzte: Nein. Heilpraktiker haben keine ärztliche Ausbildung und keine Approbation. Sie dürfen Heilkunde nur mit Erlaubnis ausüben.
  • Physiotherapeuten dürfen diagnostizieren: Sie erheben einen Befund für die Therapie, die medizinische Diagnose stellt die Ärztin oder der Arzt.
  • Heilpraktiker auf Kassenrezept: Das Kassenrezept gilt nur bei zugelassenen Heilmittelerbringern. Heilpraktiker sind in der Regel Selbstzahlerpraxen.
  • Sektorale Erlaubnis ist ein Studium: Es ist ein behördliches Verfahren mit Kenntnisüberprüfung, keine Ausbildung.
  • Heilpraktiker dürfen alles behandeln: Es gibt gesetzliche Grenzen, unter anderem bei bestimmten übertragbaren Krankheiten nach dem Infektionsschutzgesetz.

Wer unsicher ist, fragt nach dem Grundberuf, dem Nachweis der Erlaubnis und der Preisliste.

Preise bei Selbstzahlern

Die Preise legt jede Praxis selbst fest und sie unterscheiden sich stark nach Region und Behandlungsdauer. Lassen Sie sich deshalb vorab schriftlich die Kosten je Sitzung nennen, fragen Sie nach Preisen für Erst- und Folgetermine und klären Sie, ob eine Kasse oder Zusatzversicherung einen Teil erstattet. So behalten Sie den Überblick, bevor die Behandlung beginnt.

Für Berufseinsteiger: Welcher Weg passt?

Wer als Physiotherapeutin oder Physiotherapeut breiter arbeiten möchte, kann zusätzlich die sektorale Heilpraktikererlaubnis erwerben. Typische Schritte: Antrag beim zuständigen Gesundheitsamt, Nachweis der Berufserlaubnis, Zuverlässigkeits- und Gesundheitsnachweise, Kenntnisüberprüfung. Gebühren und Details unterscheiden sich je Bundesland, informieren Sie sich vorab bei Ihrem Gesundheitsamt und Ihrem Berufsverband.

Der Aufbau eines Angebots für Selbstzahler erfordert Preislisten, Aufklärung und Dokumentation, die von der Kassenabrechnung getrennt geführt werden. Werbung bleibt sachlich und frei von Heilversprechen.

Häufige Fragen

Darf ein Physiotherapeut ohne Rezept behandeln?

Als Kassenleistung nicht. Mit einer auf die Physiotherapie beschränkten Heilpraktikererlaubnis dürfen Sie ohne Verordnung behandeln, als Selbstzahlerleistung.

Ist Heilpraktiker ein Ausbildungsberuf?

Nein. Es gibt keine staatlich geregelte Heilpraktiker-Ausbildung. Die Erlaubnis erteilt das Gesundheitsamt nach einer Kenntnisüberprüfung.

Zahlt die Krankenkasse einen Heilpraktiker?

In der Regel nicht. Die Techniker Krankenkasse übernimmt zum Beispiel keine Heilpraktikerbehandlungen. Manche Kassen und private Tarife leisten freiwillig, prüfen Sie vorab Ihren Vertrag.

Was ist eine sektorale Heilpraktikererlaubnis?

Eine Heilpraktikererlaubnis, die auf ein Fachgebiet beschränkt ist, etwa Physiotherapie. Das Bundesverwaltungsgericht hat 2009 bestätigt, dass sie erteilt werden kann.

Wer darf eine Diagnose stellen?

Ärztinnen und Ärzte sowie Heilpraktiker im Rahmen ihrer Erlaubnis. Physiotherapeuten erstellen einen Befund zur Therapieplanung, die Diagnose stammt aus der ärztlichen Verordnung.

Wie lange dauert die Ausbildung zum Physiotherapeuten?

Drei Jahre an einer staatlich anerkannten Schule mit staatlicher Prüfung. Daneben gibt es Studiengänge, die die Berufszulassung enthalten.

Quellen

Zuletzt geprüft am 25.10.2026. Rechtliche und finanzielle Angaben können sich ändern.